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Kleines Gruselkabinett des Schreibens

 

Sehr geehrte Frau Meier, wie ich mit Ihnen vor einige Zeit im Telefonat besprochen habe, wenden wir - der Berliner Vorstand der Landesgruppe für X und Y-Organisationen - uns an Sie mit der Bitte um eine finanzielle Spende und/oder Sachspende. Im nächsten Jahr werden wir im Juni, gemeinsam mit der Bundeskonferenz für Y-Organisation, eine wissenschaftliche Jahrestagung zum 50-jährigen Jubiläum der X- und Y-Organisationen in Deutschland ausrichten, zu der wir 400 bis 450 Fachbesucher im Rathaus Berlin-Schöneberg erwarten.

Die Bitte wurde abgeschlagen. Vielleicht hätte der Brief so aussehen müssen:

Sehr geehrte Frau Meier, wir würden Ihr Haus gerne als Sponsor für eine große gesellschaftspolitische Fachtagung gewinnen. Wir sprachen über diese Frage neulich am Telefon. Im legendären Schöneberger Rathaus in Berlin geht es um "Z" - ein Thema, das in unserem Land immer wichtiger wird. Bundespräsident Köhler ist als Gastredner angefragt.

Auch nach Feierabend und am Wochenende drohen Satzungetüme:

Es wird zu einem familienfreundlichen langen Samstagnachmittag am 6. August 2005, in der Zeit von 13.00 bis 18.00 Uhr, in die historischen Klostermauern des nahe am Hauptbahnhof gelegenen Marienstiftes, Sitz der Hochschule für Kunst und Gestaltung, eingeladen.

Dabei wäre es so einfach:

Wir laden ein zu einem familienfreundlichen Samstagnachmittag am 6. August 2005 in das ehemalige Marienstift nahe des Hauptbahnhofs. Wir erwarten Sie dort von 13.00 bis 18.00 Uhr in den historischen Klostermauern der Hochschule für Kunst und Gestaltung.

Es geht also. Und die zweite Version ist sogar kürzer. Das ist kein Einzelfall:

Ein Rechtswissenschaftler und Verfassungsrichter schreibt jahrelang Krimis und eines Tages einen Roman mit dem Titel "Der Vorleser". Der in Berlin und Bonn lebende Autor Bernhard Schlink wurde mit dieser rätselhaften Liaison zwischen einem 15-jährigen Jungen und einer 36-jährigen Frau, deren Vergangenheit als KZ-Aufseherin erst später offenbar wird, weltberühmt.

Unnötige Details und ein Schachtelsatz - weg damit!

Ein Verfassungsrichter schreibt in seiner Freizeit Krimis - und eines Tages einen Roman. "Der Vorleser" handelt von der rätselhaften Liaison zwischen einem 15-jährigen Jungen und einer 36-jährigen Frau. Erst später wird offenbar: Sie war während der Nazizeit KZ-Aufseherin. Durch dieses Buch wurde Bernhard Schlink als Autor weltberühmt.

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Links | Newsletter | Impressum | Stand: 26. August 2010