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Wie geht es Ihren Vorsätzen für das neue Jahr? Falls Sie noch auf der Suche sind: Ich wüsste Ihnen drei. Klarheit in der Sprache, Zugewandtheit zum Empfänger, Phantasie. Mehr dazu in unserem Tipp des Monats und im Buchtipp. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Ein Buch zu schreiben habe ich mir eigentlich viel einfacher vorgestellt. Um dem gesteckten Ziel, ein sehr praxisorientiertes und lesbares PR-Buch zu schreiben, das auf der einen Seite nach Möglichkeit alle relevanten Maßnahmen und Mittel anspricht und gleichzeitig nur die wichtigsten Aspekte darin erörtert, mit weitgehendem Verzicht auf theoretischen Ballast und trotzdem zur Professionalisierung des Lesers beiträgt, ist nicht ganz einfach." Es ist schön, wenn jemand freimütig über die Qualen des Schreibens Meine Arbeit als Autor habe ich mir einfacher vorgestellt. Ich wollte ein praxisorientiertes und lesbares PR-Buch schreiben. Ich wollte möglichst alle relevanten Schritte und Werkzeuge von PR ansprechen, mich aber auf die wichtigsten Aspekte konzentrieren und weitgehend auf theoretischen Ballast verzichten. Trotzdem sollte dieses Buch zur Professionalisierung des Lesers beitragen. Beim Schreiben merkte ich dann: Dies ist nicht ganz einfach. Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Unser Gruseltext besteht aus zwei Sätzen. Der erste ist so weit in Ordnung, der zweite ist problematisch: zu lang und zu verschachtelt. Der eigentliche Hauptsatz "(Es) ist nicht ganz einfach" steht am Schluss, das Subjekt "Es" ist - grammatikalisch verquer - verborgen im "gesteckten Ziel". Mein Grundprinzip beim Schreiben kennen Sie inzwischen: portionieren. Das "gesteckte Ziel" verteile ich auf insgesamt drei Sätze: Das Buch soll praxisorientiert und lesbar sein, umfassend ohne Detailflut und theoretischen Ballast, und es soll zur Professionalisierung des Lesers beitragen. Diese Dreiteilung bringt Ruhe in den Text und gibt jedem Aspekt ausreichend Platz. Das Fazit des Autors bekommt einen eigenen Satz. Der Anlauf "Beim Schreiben merkte ich dann" und der Doppelpunkt geben dem Fazit zusätzliches Gewicht. Mein zweites Prinzip heißt: möglichst konkret und persönlich. Aus "Um dem gesteckten Ziel, ein sehr praxisorientiertes und lesbares PR-Buch zu schreiben" wird "Ich wollte ein praxisorientiertes und lesbares PR-Buch schreiben", aus"Maßnahmen und Mittel" wird "Schritte und Werkzeuge von PR". Dann streiche ich alle unnötigen Füllwörter: das "eigentlich" im ersten Satz, das "auf der einen Seite" und das "gleichzeitig" im zweiten. Aus "nach Möglichkeit" mache ich"möglichst", das "darin" entfällt. Aus zwei Sätzen mit insgesamt 64 Wörtern werden fünf Sätze mit 61 Wörtern - der Text ist jetzt sogar kürzer. Bei Umformulieren orientiere ich mich an diesen drei Schreibregeln:
Tipp des Monats: an den Leser denken Ehe Sie einen Text schreiben: Denken Sie über den Leser nach. Gehen Sie die drei wichtigsten Baustellen des Schreibenden durch: Thema, Gefühle, Zukunft. Thema: Was weiß der Leser bereits? Ist er oder sie Experte oder Laie? Was kann ich voraussetzen? Was muss ich erklären? Zusammenhänge? Begriffe? Gefühle: Ist mein Thema beim Empfänger positiv besetzt, oder gibt es Ängste und Abwehr? Falls ja: Ignorieren Sie diese nicht. Gehen Sie aktiv damit um. Zukunft: Wie geht es weiter? Was kann oder muss der Leser tun? Welche Fragen bleiben offen? - Lassen Sie den Leser damit nicht allein. Auf diesen drei Baustellen stehen Sie bei allen Texten. Bei Ihrer Homepage,
bei einem Akquisebrief und selbst bei einer Mahnung.
cleartext zum Mitmachen "Sehr geehrter Herr Meyer, die DAK stellt Ihnen folgendes Pflegehilfsmittel zur Verfügung: Hausnotrufsystem. Falls Sie das oben genannte Pflegehilfsmittel
noch nicht erhalten haben, wird der Leistungserbringer in den nächsten Tagen
mit Ihnen einen Termin zur Aushändigung bzw. Lieferung vereinbaren. Das
Pflegehilfsmittel mietet die DAK von dem Leistungserbringer. Damit unnötige
Kosten vermieden werden, möchten wir Sie bitten, uns zu informieren, falls
Sie das Pflegehilfsmittel vor dem Ablauf der oben genannten Mietdauer nicht Dieses Schreiben erhielt ein 86-Jähriger von seiner Krankenkasse. Er hatte dort einen Hausnotruf beantragt. Als Hintergrund: Im Rahmen der Pflegeversicherung hatte ihm die Kasse zuvor Pflegestufe I zuerkannt. Das heißt in diesem Fall: Die Kasse übernimmt zumindest einen Teil Kosten für den Hausnotruf. "Leistungserbringer" war im konkreten Fall der Arbeitersamariterbund ("ASB"), und dort der Ortsverein ("OV") Rems-Murr. Wenn Sie mögen: Schreiben Sie den Brief neu. Er darf gerne länger werden. Denken Sie dabei auch an die "drei Baustellen". Mehr dazu dann im Februar.
Für Sie nachgelesen "Der erste Satz ist wichtig - nicht nur in der Liebe, sondern auch in der Literatur." Wie wahr. Ich würde nur hinzufügen: auch im Geschäftsleben. Auf der Homepage, in der Imagebroschüre, im Brief zu einem heiklen Thema. Mit einem gelungenen ersten Satz öffnen wir eine Tür zum Empfänger. Wir gehen in Kontakt und signalisieren: Ich kenne Ihre Lage. Ich bin für Sie da, ich meine Sie ganz persönlich. Gelungene erste Sätze sind keine Wunderwerke, sondern Handwerk. Ein Grundprinzip heißt: vom Empfänger her denken. Anregungen finden sich auch in der Literatur. Bei jenen ersten Sätzen, die uns Lesende auf Anhieb in ihren Bann ziehen - und mitten hinein in die Geschichte:
17 000 Menschen aus mehr als 60 Ländern steuerten ihre Favoriten bei. Es sind szenische Schilderungen wie "Eines Nachts, als der Sommer am tiefsten war, zog ich die Tür hinter mir zu und und ging los, so geradeaus wie möglich nach Osten" (Wolfgang Büscher in "Berlin-Moskau"), Wortspiele wie "Entweder mache ich mir Sorgen oder etwas es essen" (Ildikó von Kürten) oder freimütige Eingeständnisse wie "Mir fällt nichts mehr ein" (Wolfgang Hildesheimer).
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Heute geht es um Briefe, die den Empfänger zur Verzweiflung
bringen können. Dabei ist es kein Naturgesetz, dass Ämter
und Versicherungen blutleer und bürokratisch schreiben
müssen. Mein Buchtipp für Sie zeigt: Es geht auch anders. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Sehr geehrter Herr Meyer, die DAK stellt Ihnen folgendes Pflegehilfsmittel zur Verfügung: Hausnotrufsystem. Falls Sie das oben genannte Pflegehilfsmittel
noch nicht erhalten haben, wird der Leistungserbringer in den nächsten Tagen
mit Ihnen einen Termin zur Aushändigung bzw. Lieferung vereinbaren. Das
Pflegehilfsmittel mietet die DAK von dem Leistungserbringer. Damit unnötige
Kosten vermieden werden, möchten wir Sie bitten, uns zu informieren, falls
Sie das Pflegehilfsmittel vor dem Ablauf der oben genannten Mietdauer nicht Diesen Brief erhielt ein 86-Jähriger von seiner Krankenkasse. Der Verfasser beherrscht die hohe Kunst der Bürokratensprache perfekt. Sein Werk ist ein Musterbeispiel dafür, wie man eine einfache Sache kompliziert ausdrückt. Bringen wir das Ganze also zurück ins Leben: Sehr geehrter Herr Meyer, wir haben eine gute Nachricht für Sie. Ihr Antrag auf einen Hausnotruf ist bewilligt. Der Arbeitersamariterbund wird sich bei Ihnen melden und einen Termin vereinbaren, wann er Ihnen das Gerät bringt, anschließt und es Ihnen erklärt. Falls dies schon geschehen ist - umso besser. Zum Geld: Wir übernehmen die Grundkosten für den Notruf, das sind die Miete für das Gerät und die Kosten, falls Sie den Notruf zwischen 8.00 und 20.00 Uhr benutzen. Dann schaut ein Mitarbeiter des Arbeitersamariterbunds nach Ihnen. Bei einem Notruf in der Nacht informiert der Arbeitersamariterbund eine Vertrauensperson, die Sie bestimmt haben. Auch dies bezahlen wir. Sie selbst können mit dem Arbeitersamariterbund einen Zusatzvertrag abschließen. Dann schickt dieser auch nachts einen Mitarbeiter zu Ihnen. Falls Sie dies wünschen: Fragen Sie beim Arbeitersamariterbund nach, was Sie das kosten würde. Sie können den Notruf so lange behalten, wie dies für Sie notwendig ist. Falls Sie ihn irgendwann nicht mehr brauchen sollten: Bitte geben Sie uns Bescheid. Damit helfen Sie uns beim sinnvollen Sparen. Wir wünschen Ihnen alles Gute - und dass der Notruf dazu beiträgt, dass Sie sich in Ihrem Alltag sicher fühlen. Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Ich gebe zu: Heute ist meine Version doppelt so lang wie der Ursprungstext. Der Empfänger hätte das Schreiben dann aber wohl auf Anhieb verstanden. Das Hauptproblem bei diesem Brief sind nicht die Sätze, sondern die Wörter. Pflegehilfsmittel und Leistungserbringer, Aushändigung. ASB und OV. Also bürokratische Begriffe, eine blutleere Substantivierung, unbekannte Kürzel. Diese Begriffe übersetze ich in Wörter aus dem Alltag. "Aushändigung" heißt schlicht: Jemand bringt das Gerät vorbei. Die eher unbekannte Abkürzung ASB schreibe ich aus, den Ortsverein Rems-Murr streiche ich ersatzlos. Und ich schreibe auf, was den Adressaten vermutlich noch interessiert: Wie funktioniert das mit dem Notruf? Wer erklärt mir das? Wer bezahlt das alles? Auch hier benutze ich Wörter und Sätze aus dem Alltag. Ich arbeite mit Beispielen: Was passiert wann? Und ich trenne die Themenblöcke: Bewilligung und Lieferung, Kosten für die Grundversorgung, Kosten für den Notruf de luxe. Beim Texten orientiere ich mich an diesen drei Schreibregeln:
Tipp des Monats: an die Gefühle des Lesers denken Auch uns Jüngeren geht es so: Briefe von Amt oder Versicherung lösen Unbehagen aus. Was wollen die von mir? Wird es teurer? Was muss ich tun? - Und nicht zuletzt: Ist das wieder einer dieser Briefe, die ich nicht verstehe? Der Empfänger ist also angespannt und innerlich auf Abwehr eingestellt. Gehen Sie deshalb zunächst auf die Beziehungsebene. Danken Sie, loben Sie, erinnern Sie an eine gute gemeinsame Erfahrung. Oder wie in diesem Fall: "Wir haben eine gute Nachricht". Dies nimmt Spannung weg. Bei einem negativen Anlass ist der Einstieg auf der Beziehungsebene sogar besonders wichtig. Erst dann kommen Sie zur Sache. Überlegen Sie vorab: Was weiß der Leser zu diesem Thema? Was kann ich voraussetzen, was muss ich erklären. Und: Sagen Sie dem Leser, ob er etwas tun muss oder nicht. "Sie brauchen nichts weiter zu unternehmen" - auch dieser Satz bringt Klarheit und Entlastung. Gehen Sie zum Schluss nochmals auf die Beziehungsebene. Nicht mit einer Grußfloskel, sondern mit einer konkreten Ansprache. Jetzt ist der Brief rund.
cleartext zum Mitmachen "Da Deutschland, das im vorliegenden Verfahren zu seiner Verteidigung den
generischen Charakter des Begriffs „Parmesan“ einwendet, noch nicht einmal
in Bezug auf Deutschland selbst Beweis angetreten hat, um seine Behauptung,
der Begriff „Parmesan“ sei in Deutschland zu einer Gattungsbezeichnung
geworden, in nennenswerter Weise zu substantiieren, ist die Verwendung des
Wortes „Parmesan“ für Käse, der nicht der Spezifikation der g. U. „Parmigiano
Reggiano“ entspricht, im vorliegenden Verfahren als Verletzung des durch Art.
13 Abs. 1 Buchst. b der Grundverordnung für diese g. U. gewährten Schutzes Dieser Satz stammt aus der Feder des Generalanwalts beim Europäischen Geichtshof (EuGH) - aus einem Gerichtsstreit um die Frage, ob auch deutsche Käsehersteller den Begriff "Parmesan" auf ihre Verpackungen drucken dürfen. Das Kürzel "g. U." steht für "geschützte Ursprungsbezeichnung". Wenn Sie mögen: Greifen Sie dem Generalanwalt unter die Arme und
Für Sie nachgelesen "Es ist nicht immer leicht, behördliche Schreiben zu formulieren. Sie sollen einerseits den Sachverhalt und die rechtliche Situation richtig wiedergeben, andererseits aber verständlich formuliert und übersichtlich sein. Deshalb lautet das Motto dieser Broschüre: Freundlich, korrekt und klar." Mit diesen Sätzen beginnt eine Broschüre des Bayerischen Innneministeriums, die ich Ihnen schon einmal vorgestellt hatte. Jetzt erschien die Neuauflage:
Auf gut 70 Seiten erörtern die Autoren Themen wie Stil, Verständlichkeit und äußere Form - jeweils mit Gruselsätzen und Vorschlägen für verständlichere Formulierungen. Aus dem Inhaltsverzeichnis: Freundlicher Ton. Persönlicher Stil. Kein Amtsdeutsch, keine Pedanterie. Geläufige Wörter und Ausdrücke Aus Sicht des Ministeriums nützt gute Sprache allen: "Das ist Service für die Bürgerinnen und Bürger - aber auch ein Dienst an uns selbst. Denn wir sparen
uns letztendlich zeitaufwändige Rückfragen oder verärgerte Anrufe." |
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Heute macht der cleartext-Newsletter einen Ausflug ins Gericht. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Da Deutschland, das im vorliegenden Verfahren zu seiner Verteidigung den
generischen Charakter des Begriffs „Parmesan“ einwendet, noch nicht einmal
in Bezug auf Deutschland selbst Beweis angetreten hat, um seine Behauptung,
der Begriff „Parmesan“ sei in Deutschland zu einer Gattungsbezeichnung
geworden, in nennenswerter Weise zu substantiieren, ist die Verwendung des
Wortes „Parmesan“ für Käse, der nicht der Spezifikation der g. U. „Parmigiano
Reggiano“ entspricht, im vorliegenden Verfahren als Verletzung des durch Art. Dies erklärte der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) Deutschland verteidigt das Vorgehen seiner Käsehersteller mit dem Argument, "Parmesan" sei heute ein Gattungsbegriff für eine bestimmte Käsesorte. Das
müsste dann allerdings auch in Deutschland der Fall sein. Dies konnte die Bundesregierung indes nicht beweisen. Damit steht aus unserer Sicht fest:"Parmesan" ist die geschützte Ursprungsbezeichnung für „Parmigiano Reggiano“
aus Oberitalien. Die Verwendung für Käse aus anderen Gebieten verstößt
gegen Art. 13 Abs. 1 Buchst. b der EU-Verordnung 517/2006. Für das aktuelle Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Die Ursprungsversion ist ein klassischer Schachtelsatz. Er beginnt mit einem Nebensatz, in den drei weitere Teilsätze eingebaut sind. Auch der Hauptsatz"die Verwendung des Wortes Parmesan (ist) als Verletzung .. zu betrachten" ist durch einen Relativsatz unterbrochen. Dies macht das Ganze unverdaulich. In meiner Version gehe ich schrittweise vor: zunächst die Argumentation der Bundesregierung, deren Konsequenz und der fehlende Nachweis. Das sind die ersten drei Sätze. Dann kommt die Schlussfolgerung des Generalanwalts - in Satz vier und fünf. Im sechsten Satz ziehe ich das Fazit für den aktuellen Rechtsstreit. Unter dem Strich schrumpft der Text von 98 auf 82 Wörter. Einmal mehr ein Beleg dafür: Mehr Sätze machen einen Text nicht länger. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
PS: Inzwischen hat der EuGH den Fall entschieden: Deutsche Käsereien dürfen Parmesan herstellen, ihn aber nicht "Parmesan" nennen. Na dann. Tipp des Monats: an die Gefühle des Lesers denken Bei komplexen Sachverhalten laufen wir Gefahr, unsere Sätze zu überladen. Besonders groß ist das Risiko, wenn wir innerhalb eines einzelnen Satzes einen inhaltlichen Zusammenhang herstellen wollen: wenn-dann, weil-deshalb. Dadurch werden unserer Sätze fast zwangsläufig lang und verschachtelt. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie diesen Zusammenhang innerhalb eines einzigen Satzes herstellen müssen. Lösen Sie sich von diesem Zwang. Packen Sie einen Aspekt in den ersten Satz, den nächsten in den zweiten. Den inhaltlichen Bezug machen Sie mit Scharnier-Formulierungen deutlich:"Als Folge davon", "Deshalb", "In diesem Fall" - oder bei unserem Parmesan- Beispiel: "Damit steht ... fest" und "Für das aktuelle Verfahren bedeutet dies".
cleartext zum Mitmachen "Ein für Rostock und das Land Mecklenburg-Vorpommern einzigartiges Diese Sätze stammen aus einem Fachartikel über das neue Biomedizinische Forschungszentrum in Rostock. Der zweite Satz hat 39 Wörter und liegt damit deutlich über der kritischen Grenze von 20 Wörtern. Wenn Sie mögen: Engagieren Sie sich für Mecklenburg-Vorpommerns Zukunft und schreiben Sie diese Sätze neu. Meine Version stelle ich Ihnen im April vor.
Für Sie nachgelesen "Eigentlich wollte ich Ihnen das rororo-Synonymwörterbuch Sag es treffender von A.M. Textor vorstellen. Jemand hatte es mir empfohlen. Doch ich muss passen. In meinen Augen atmet das Buch den Geist der Erstausgabe von 1955. Unter "Hauspersonal" finden sich Dienstboten, Domestiken und Zugehfrauen, bei "Lehrer" der Schulmeister, Pauker und Präzeptor. Und manche Synonyme sind einfach falsch. Eine Vogel-Strauß-Politik ist kein Betrug, rehabilitieren ist nicht heilen, wohlwollend nicht gleich herablassend. Mein Fazit: nicht empfehlenswert. Ich habe dann die gängigsten anderen Synonomwörterbücher durchgesehen und verglichen. Ergebnis: Der Duden ist und bleibt in meinen Augen die Nummer eins - in der B-Liga bis 10.00 Euro und in der A-Liga jenseits von 15.00 Euro. Duden Das Wörterbuch der Synonyme Er hat, was sonst nur Große haben: klare und differenzierte Stil-Angaben zu den Wörtern - von "umgangssprachlich" über "abwertend" bis "veraltet". Duden Das Synonymwörterbuch Nicht billig, aber souverän im Auftritt. Mit großem Abstand der Beste. Er erklärt auch korrekt, was ein GAU ist, im ursprünglichen Sinn ("Größter Anzunehmender Unfall in einem Atomkraftwerk) und im übertragenen Sinn ("Desaster"), er sagt uns, was "aus dem Stegreif" bedeutet und erklärt das Politiker-Unwort "zeitnah".
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Heute macht der cleartext-Newsletter eine Reise an die Ostsee. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Ein für Rostock und das Land Mecklenburg-Vorpommern einzigartiges Diese Passage stammt aus einem Artikel über ein Biomedizinisches In Kürze können sie in Rostock Tür an Tür arbeiten: Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung, forschende Ärzte und junge Unternehmen. Das neue Biomedizinische Forschungszentrum bietet ihnen modernste Arbeitsplätze direkt
bei der Universitätsklinik. Wissenschaftler, Ärzte und Firmen können hier neue Medikamente entwickeln und neue Therapien. Die Wege sind kurz, die Partner Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Die Ursprungsversion mutet dem Leser eine Menge zu: Wort-Ungetüme wie "neue Standards in Sachen Technologiekompetenzzentrum" oder "Nähe zur universitären Forschung". Verpackt ist dies alles in zwei lange Sätze. Der zweite liegt mit 39 Wörtern weit jenseits der Grenze des Verständlichen. Ich habe zunächst überlegt: Was bedeutet das konkret, was da steht? Wie mache ich das für Außenstehende verständlich? Und: Wo sind die Akteure, also die Menschen? Dann habe ich versucht, alles in lebensnahe Wörter und Bilder zu fassen. Was mir überflüssig erschien, habe ich gestrichen. Was übrig blieb, habe ich auf fünf Sätze verteilt. Am Ende ist der Text sogar kürzer. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Das Rückgrat unserer Sätze sind Subjekt und Prädikat. Sie geben Antwort auf die beiden Hauptfragen? Wer ist der Akteur? Und: Was tut dieser Akteur? Im Gruseltext des Monats ist das Subjekt kein Mensch oder eine Gruppe, und das Prädikat beschreibt keine Tätigkeit. Erster Satz: "Ein Bauvorhaben wird abgeschlossen sein", im zweiten Satz: "Hochmodernste Arbeitsflächen bieten gute Chancen". - Keine Antworten auf die Frage: Wer tut was? Wenn Sie einen Text schreiben oder überarbeiten: Suchen Sie nach den Menschen in der Geschichte. Bauen Sie diese Menschen in Ihre Sätze ein, am besten als grammatikalisches Subjekt. Beschreiben Sie, was diese Menschen tun, planen oder sagen. Ihr Text erzählt dann eine Geschichte, und vor dem inneren Auge des Lesers entsteht ein Bild. Konkret, plastisch, verständlich.
cleartext zum Mitmachen "Wir beziehen uns auf die offiziellen, bei den verschiedenen deutschen Untersuchungsämtern
veröffentlichten Schreiben, mit denen die in Deutschland ermittelte mangelnde Übereinstimmung folgende Losnummern des Produkts Ricotta Salata bekanntgegeben wird Als Sicherheitsvorkehrung und Verbraucherschutz haben wir notwendige Maßnahmen
eingeleitet, die oben genannten Losnummern des Produkts Ricotta Salata aus dem Verkehr
zu nehmen. Wir möchten deshalb alle Kunden bitten, die das zu den oben genannten Mit diesen Sätze begann Mitte April eine Rückruf-Anzeige eines Ricotta-Herstellers
in mehreren Tageszeitungen. Zuvor hatten die Verbraucherministerien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewarnt, in verschiedenen Ricotta-Produkten
seien gefährliche Listerium-Bakterien gefunden worden. Empfindliche oder Wenn Sie mögen: Bekennen Sie Farbe vor den Verbrauchern und schreiben Sie diese Rückruf-Anzeige neu. Meinen Vorschlag stelle ich Ihnen im Mai vor.
Für Sie nachgelesen Wolf Schneider gilt vielen immer noch als deutscher Sprachpapst. Der Journalist und langjährige Leiter einer großen Journalistenschule schrieb zahlreiche Bücher über Sprache und Stil. Es heißt, sie seien nach wie vor Standardwerke. Darf ich etwas Wasser in diesen Wein gießen? Ich habe Wolf Schneiders Buch Deutsch für Kenner gelesen, und ich muss sagen: Streckenweise habe ich mich geärgert. In weiten Teilen wirkt Schneider auf mich ziemlich besserwisserisch. Mein Eindruck: Er braucht fast 200 Seiten, bis er handfeste Vorschläge zum klaren Schreiben macht. Viele Beispiele atmen für mich die Luft der Erstausgabe aus den 1980er Jahren, und als "Meisterwerke deutscher Prosa" präsentiert er Kleist, Nietzsche und Thomas Mann. Mir reicht das nicht als Vorbild für das Jahr 2008. Andere Autoren sind einfach näher am Leben. Die Nummer eins auf meiner Favoritenliste ist nach wie vor das Buch, das ich Ihnen im Juni 2007 vorstellte: Doris Märtin: Erfolgreich texten Gut gefällt mir auch ein Buch von Norbert Franck, dessen "Handbuch für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" ich Ihnen im Juni 2006 vorgestellt hatte. Inzwischen hat er ein weiteres Buch geschrieben. Er zollt den Vorvätern Respekt und grenzt sich doch klar von ihnen ab: "Schopenhausers Stil gilt als meisterhaft. Heute wirkt er antiquiert. Gute Texte sind sprachlich auf der Höhe der Zeit." Norbert Franck: Erfolgreich schreiben Aus dem Inhalt: Verständlich und anschaulich schreiben: Wörter - Verständlich und anschaulich schreiben: Sätze - Kurz und prägnant: Protokoll und Bericht. Der Klappentext bringt es auf den Punkt: Gute Texte sind Türöffner und Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation. "Erfolgreich schreiben" ist keine besserwisserische Stilkunde, sondern vermittelt Know-how und Handwerkszeug.
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Heute hat der cleartext-Newsletter eine Krise. Als Thema. Wie
man nicht mit ihr umgehen sollte, sehen Sie im Gruseltext des
Monats. Das Wichtigste in einer Krise sind Offenheit - und gute
Vorbereitung. Mehr dazu im Tipp des Monats und im Buchtipp.
Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Wir beziehen uns auf die offiziellen, bei den verschiedenen deutschen Untersuchungsämtern veröffentlichten Schreiben, mit denen die in Deutschland ermittelte mangelnde Übereinstimmung folgende Losnummern des Produkts Ricotta Salata bekanntgegeben wird (die Daten sind auf der Gewichtetikette angegeben, Mit diesen Sätzen begann dieser Tage die Rückruf-Anzeige eines Ricotta- Herstellers in mehreren deutschen Tageszeitungen. Das Problem ist nur angedeutet, der Kunden-Aufruf versteckt sich hinter einem monströsen Zahlensalat. Mein Vorschlag: ehrlich sein und sagen, was Sache ist. Die deutschen Lebensmittelbehörden haben in einigen unserer Ricotta-Salate gesundheitsschädliche Bakterien gefunden. Wir haben die gesamte Ware aus diesem Herstellungszeitraum sofort aus den Regalen nehmen lassen. Falls Sie eines dieser Produkte gekauft haben sollten: Bitte essen Sie den Käse nicht, sondern bringen Sie ihn zurück in den Laden. Sie bekommen von uns Ersatz. Betroffen sind zwei unserer Produkte: RICOTTA SALATA OVINA „SCIURITA“ und RICOTTA SALATA OVINA „SARDIS“ mit einem Mindesthaltbarkeits-Datum zwischen Ende April und Ende August. Die genauen Nummern stehen am Ende dieser Anzeige - und auf dem Gewichtsetikett auf der Verpackungsrückseite. Diese Ricotta-Produkte könnten verunreinigt sein: RICOTTA SALATA OVINA „SCIURITA“ mit der Losnummer 23704900 MHD 18/08/2008 ... Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Die Ursprungsversion hat zwei gravierende Mängel. Sie versteckt die Baustelle Nummer zwei: der Zahlensalat. Natürlich sind die Chargen-Nummern wichtig, damit ich als Käufer weiß: Ist mein Käse möglicherweise betroffen oder nicht? Aber niemand sagt, dass Sie das in den ersten Satz packen müssen. Hier reicht die allgemeine Formulierung "in einigen unserer Produkte". Selbst im zweiten Absatz brauchen Sie die Nummern noch nicht. Die Produkt- Namen sind wichtiger. Wer diesen Käse im Kühlschrank hat, wird nachsehen und die Nummern vergleichen. Am Schluss der Anzeige findet er sie genauso. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: "Die Behörden haben in einigen unserer Produkte gesundheitsschädliche Bakterien gefunden" - so ein Satz tut weh. Aber er schafft Ihnen auch Luft. Das schlimmste ist gesagt, jetzt können Sie zeigen, wie Sie die Sache lösen. Wer Unangenehmes zu verstecken versucht, muss tricksen und lavieren. Mit verschleiernden Passivkonstruktionen wie "bekanntgegeben wird". Die in unserem Fall zitierten Schreiben der Untersuchungsämter kennt der normale Verbraucher nicht, der Verweis darauf verhöhnt die Leser der Anzeige. Fehler passieren, ob wir es wollen oder nicht. Krisen brechen herein, auch wenn wir sie gerne vermeiden würden. Diese Dinge entziehen sich unserem Einfluss. Aber wir haben es in der Hand, wie wir mit einer Krise umgehen. Zwei einfache Regeln gibt es: Offenheit ist besser als Lügen und Verschleiern. Und: Offensives Handeln ist besser als angstvolles Reagieren. Ehrlichkeit kann entwaffnend sein. Entschlossenes Handeln kann Ihnen Respekt einbringen. Auf unser Beispiel bezogen heißt dies: Sagen Sie den Verbrauchern gleich im ersten Absatz, was Sie zu deren Wohl gemacht haben: raus mit der Ware aus den Regalen. Und sagen Sie den Käufern: Wir ersetzen Ihnen den Käse. Und: Blicken Sie nach vorn. Sagen Sie, was Sie über den Tag hinaus tun werden. Aktiv und umsichtig. Damit können Sie selbst in der Krise punkten: "Wir bedauern diesen Vorfall zutiefst. Unsere Experten sind dabei zu klären, wie die Bakterien in den Käse gelangen konnten. Unsere Hygienestandards sind auf dem neuesten Stand, und unsere Produktion wird laufend kontrolliert. Wir informieren Sie, sobald das Untersuchungsergebnis vorliegt. Und wir sagen Ihnen, welche Konsequenzen wir ziehen. Darauf geben wir Ihnen unser Wort." Ein Letztes: Bereiten Sie sich schon in guten Tagen auf eine mögliche Krise vor. Planen Sie für den Fall X. - Mehr dazu finden Sie im Buchtipp des Monats.
cleartext zum Mitmachen "Leistungsverbesserungen und Beitragsanpassung Sehr geehrter Herr Ruoff, Sie sind bei der XY privat pflegeversichert. Für Ihr Vertrauen danken wir Ihnen. Zur Optimierung des Leistungsumfangs der Pflegeversicherung tritt das Pflege- Weiterentwicklungsgesetz am 01.07.2008 in Kraft. Das Gesetz sieht zahlreiche Neuregelungen vor, die Sie im beigefügten Informationsblatt nachlesen können. Mit der Verbesserung der Leistungen ist eine Anhebung der Beiträge für die gesetztliche und private Pflege-Pflichtversicherung verbunden. Den neuen Beitrag können Sie Ihrem Nachtrag zum Versicherungsschein entnehmen. An Ihrer Zahlungsweise ändert sich nichts. Wir buchen die Beiträge von Ihrem Konto ab." Das Informationsblatt beginnt so: "Ab dem 1. Juli 2008 ergeben sich durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen und Tarifen für die private Pflege-Pflichtversicherung umfassende Neuregelungen und Leistungsverbesserungen." Zwei Absätze weiter wird es dann konkret: "Was ändert sich in den Leistungen? Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz sieht z.B. höhere Leistungen für Pflegebedürftige, Entlastung für pflegende Angehörige, strengere Kontrolle von Heimen und die Stärkung der ambulanten Vesorgung vor. Der besondere Hilfe- und Betreuungsbedarf von Demenzkranken wird künftig besser berücksichtigt." Wenn Sie mögen: Greifen Sie meinem Versicherer unter die Arme und schreiben Sie diesen Informationsbrief neu. Meinen Vorschlag stelle ich Ihnen im Juni vor. Für Sie nachgelesen "Krisen, Unfälle und andere Rückschläge bringen Untenehmen meist schneller in die Medien, als sich die Geschäftsleitung das jemals vorstellen konnte. Vertuschungsmanöver und eine Politik des Abschottens verschlimmern Krisen im Galopp. Durch den Verlust der Glaubwürdigkeit sinkt das Vertrauen in die Firma und die handelnden Personen rapide, oft geht es für immer verloren." Diese Sätze stehen in einem Buch, das ich Ihnen schon einmal vorgestellt habe: vor mehr als zwei Jahren, im allerersten cleartext-Newsletter im April 2006: Siegfried Aberle und Andreas Baumert: Um Krisen geht es in Kapitel 6 "Manchmal geht etwas schief - PR in Störungen und Krisen": Mitarbeiter vorbereiten - Der Plan in der Schublade - Der Auftritt - Sorgen und Ängste ernst nehmen. Dazu kommt ein Praxisteil mit Checklisten. Einen Kapitelteil überschreiben die Autoren mit "Aus Schaden klug werden". Im Vorwort schreiben sie dazu: "Wenn eine Krise nicht gleich das Ende ist, kann man aus ihr lernen. Wer darauf vorbereitet ist, dass auch mal etwas schief gehen kann, übersteht eine Krise besser. - Das könnte auch bei Käse gelten.
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Heute ist der cleartext-Newsletter wieder einmal zu Gast in der
Welt der Kundenbriefe. Allen Hochglanzbroschüren zum Trotz:
Bei meiner Versicherung wiehert der Amtsschimmel noch heftig.
Dabei könnte es so einfach sein. Mehr dazu im Tipp des Monats. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Leistungsverbesserungen und Beitragsanpassung Sehr geehrter Herr Ruoff, Sie sind bei der XY privat pflegeversichert. Für Ihr Vertrauen danken wir Ihnen. Zur Optimierung des Leistungsumfangs der Pflegeversicherung tritt das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz am 01.07.2008 in Kraft. Das Gesetz sieht zahlreiche Neuregelungen vor, die Sie im beigefügten Informationsblatt nachlesen können. Mit der Verbesserung der Leistungen ist eine Anhebung der Beiträge für die gesetztliche und private Pflege-Pflichtversicherung verbunden. Den neuen Beitrag können Sie Ihrem Nachtrag zum Versicherungsschein entnehmen. An Ihrer Zahlungsweise ändert sich nichts. Wir buchen die Beiträge von Ihrem Konto ab." Das Informationsblatt beginnt so:
Zwei Absätze weiter wird es dann konkret: "Was ändert sich in den Leistungen? Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz sieht z.B. höhere Leistungen für Pflegebedürftige, Entlastung für pflegende Angehörige, strengere Kontrolle von Heimen und die Stärkung der ambulanten Versorgung vor. Der besondere Hilfe- und Betreuungsbedarf von Demenzkranken wird künftig besser berücksichtigt." Diesen Brief bekam ich vor kurzem von meiner Krankenversicherung. Ihre Pflegeversicherung wird besser - Ihr Beitrag steigt minimal Sehr geehrter Herr Ruoff, Sie haben es vielleicht in der Zeitung gelesen: Die Pflegeversicherung hat nicht mehr Schritt gehalten mit dem, was viele Ältere brauchen. Der Bundestag hat das Gesetz deshalb zum 1. Juli so ergänzt, dass es der Wirklichkeit von heute gerecht wird. Unter anderem bekommen Pflegebedürftige mehr Geld. Angehörige werden unterstützt - zum Beispiel, wenn sie selbst einmal Urlaub brauchen. Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Der Brief beginnt mit einem völlig überflüssigen Satz. Ich weiß, dass ich bei der XY versichert bin, das muss man mir nicht sagen. Ich will auch keinen Dank dafür, sondern einfach wissen, was Sache ist. Der Betreff hat mich misstrauisch gemacht. Denn als wacher Verbraucher weiß ich: "Beitragsanpassung" heißt, es wird teurer. Also will ich einfach nur die Summe wissen - und den Grund. Der Grund versteckt sich hinter dem Wort "Pflege-Weiterentwicklungsgesetz".
Doch das Gesetz ist nicht der wahre Grund der Veränderung, sondern nur die
Reaktion auf ein Problem. Dieses Problem spricht der Brief genauso wenig an wie
die konkreten Verbesserungen. - Ich schreibe beides in den ersten Absatz. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Klare und verständliche Briefe zu schreiben ist kein Hexenwerk, sondern ganz
einfach Handwerk. Der erste Schritt: Ich beobachte mich selbst, wenn ich
einen fremden Brief lese. Was verstehe ich nicht? Was hinterlässt mich ratlos?
Was ärgert mich? - So sollte ich meine eigenen Briefe nicht schreiben.
cleartext zum Mitmachen "Die außergewöhnliche Hotelanlage kann auf eine fast 1000jährige Geschichte
zurückblicken und wird heute als modernes Tagungshotel betrieben. Als
Mitglied bei den exzellenten Tagungshotels, den besten Tagungshotels in
Deutschland und den ausgewählten Tagungshotels zum Wohlfühlen bürgt dies
bereits für beste Qualität. Daher kann der Gast auch etwas Besonderes
erwarten. 15 sehr schöne Tagungsräume mit modernster Technik sowie ein
breites, sportliches Betätigungsfeld sowohl in der Halle als auch im
Barockgarten garantieren eine störungsfreie Tagungsatmosphäre." Für Sie nachgelesen "Wenn man schreiben will, muss man seinen Stil anpassen - und zwar anpassen an den Empfänger und an den Anlass des Schreibens. Es ist klar, dass man an eine langjährige Kundin anders schreibt als an das Finanzamt. ... Doch wie soll man nun schreiben? Dafür gibt es keine Faustregel, aber fest steht, dass ein Brief in lockerem Ton oft besser ankommt als einer in gedrechseltem Deutsch." Wohlgemerkt: Dieser "lockere Ton" bezieht sich auf Geschäftsbriefe, und in diesem Bereich könnte mancher Empfänger irritiert sein, wenn ein Brief allzu salopp daher kommt. Doch die Empfehlung steht in einem Buch, das über jeden Verdacht erhaben ist, irgend welchen kurzlebigen Moden hinterher zu laufen.
Auch dieser Duden ist ein Duden: umfassend, aber insgesamt eher nüchtern. Er enthält Musterbriefe und nennt die Regeln der Briefnorm DIN 5008. Dazu Informationen zu Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Hier gibt die Redaktion gute Tipps, wie man konkret und anschaulich schreibt. Mit vorher-nachher- Vergleichen und mit einer etwas anderen Definition des Begriffs "Fremdwort": "Die Bedeutung des Begriffs 'Fremdwort' sollte man ... erweitern, indem man 'fremde Wörter' sagt: Fremde Wörter sind alle Wörter, die für den Empfänger 'fremd' sind, und das können auch deutsche Wörter oder Abkürzungen sein."
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Heute blättert der cleartext-Newsletter ein bisschen in bunten
Prospekten. Gerade zur Urlaubszeit versprechen sie uns das
Blaue vom Himmel. Doch mit dem Urlaub ist es wie mit guten
Texten: Das Einfache ist oft das Beste. Einen Begleiter für die
Stunden der Muße stelle ich Ihnen in unserem Buchtipp vor. Mit besten Feriengrüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats ""Die außergewöhnliche Hotelanlage kann auf eine fast 1000jährige Geschichte zurückblicken und wird heute als modernes Tagungshotel betrieben. Als Mitglied bei den exzellenten Tagungshotels, den besten Tagungshotels in Deutschland und den ausgewählten Tagungshotels zum Wohlfühlen bürgt dies bereits für beste Qualität. Daher kann der Gast auch etwas Besonderes erwarten. 15 sehr schöne Tagungsräume mit modernster Technik sowie ein breites, sportliches Betätigungsfeld sowohl in der Halle als auch im Barockgarten garantieren eine störungsfreie Tagungsatmosphäre."
Diese Hotelwerbung kommt bedeutungsvoll daher, besteht aber fast Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Im Ausgangstext sind die Adjektive nichts sagend: außergewöhnlich, modernst, störungsfrei. Das sind Allgemeinplätze. Ich konkretisiere dies. Ich sage, was "modernst" bedeutet, ich beschreibe die besondere Atmosphäre des Hauses. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Gute Marketing-Texte zu schreiben ist eine Kunst. Gute Marketing-Texte zu schreiben ist ganz einfach - beides ist richtig. Es ist eine Kunst, mich mit meinem Text von der Masse der Mitbewerber abzusetzen. Andererseits ist es ganz einfach, weil viele Texte aus rundgeschliffenen Worthülsen bestehen. Das heißt: Wenn ich Floskeln vermeide wie "Hier ist der Gast noch König", "die Seele baumeln lassen" oder "ein unvergessliches Erlebnis", habe ich schon einen großen Fehler vermieden: hohle Phrasen. Und wenn ich stattdessen klipp und klar sage, was der Kunde erwarten kann und was ich für ihn mache, dann habe ich auch viel gewonnen. Je konkreter ich formuliere, desto besser. Warum spricht Sie ein Marketing-Text an, und warum werfen Sie einen anderen gleich in den Papierkorb? Es liegt nicht nur am Thema. Schärfen Sie Ihren Blick.
cleartext zum Mitmachen "Die Wanderungen werden je nach Wetterlage ausgesucht und durchgeführt. Die Gehzeiten bewegen sich zwischen 4 und 7 Stunden. Eine gewisse Grundkondition sollte vorhanden sein, außerdem Trittsicherheit und Schwindelfreiheit." Und: Zwei Texte aus dem Katalog eines Alpinverbands. Wie bei Schloss Schweinsburg sind es Texte für potenzielle Kunden - aber Menschen kommen fast nicht vor. Wenn Sie mögen: Ändern Sie dies. Meine Version stelle ich Ihnen im August vor. Für Sie nachgelesen "Soll ich die Führungsposition annehmen? Passt das überhaupt zu mir? Ich bin beruflich sehr erfolgreich, wieso bin ich nicht glücklich? Ich habe da immer noch die Idee, etwas ganz anderes aus meinem Leben zu machen. Aber ich glaube, dazu bin ich zu alt - oder vielleicht doch nicht?" So beginnt das Buch, das ich Ihnen jetzt zur Sommerpause vorstellen möchte. Sie wissen: Im Sommer und zu Weihnachten finden Sie hier kein Buch rund ums Schreibhandwerk, sondern eines für die Zeit jenseits der Arbeit.
Die Diplompsychologin Lisa Krelhaus stellt einen Fragebogen vor zu zentralen Motiven unseres Handelns: Neugier, Geselligkeit, Macht, Gestaltung, Leistung, Uneigennützigkeit, Unabhängigkeit, Status, Wettbewerb, Selbstwirksamkeit. Auf dieser Grundlage führt sie uns an Fragen zu unserer Zukunft heran: Was sind meine Entwicklungsziele? Welche Visionen habe ich? Wie kann ich mit Kritik umgehen, Misserfolge überstehen, Herausforderungen annehmen? Mein Urteil: ein fundiertes, sehr klar strukturiertes Buch. Die Autorin bietet keine oberflächliche Lebens- und Zukunftsberatung, sondern gibt mir als Leser ein Werkzeug an die Hand, klarer zu sehen und zu entscheiden. |
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Ehe auch dieser Sommerurlaub Erinnerung ist, taucht der
cleartext-Newsletter nochmals ein in die Welt der Prospekte.
Im Mitmach-Text geben wir ein letztes Mal Gas für alle, die
im Stau standen. Die Rückkehr in den Alltag versüßt Ihnen
vielleicht meine neue Newsletter-Rubrik: die Wunschbox. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Die Wanderungen werden je nach Wetterlage ausgesucht und durchgeführt. Die Gehzeiten bewegen sich zwischen 4 und 7 Stunden. Eine gewisse Grundkondition sollte vorhanden sein, außerdem Trittsicherheit und Schwindelfreiheit." Nordic Walking - eine der beliebtesten Sportarten, für Alt und Jung, Frau und Mann, die immer mehr Anhänger findet. Nordic Walking ist das ideale Herz-Kreislauftraining und Muskeltraining für Alle! 85 Prozent der gesamten Muskulatur werden trainiert, die Gelenke werden durch den Stockeinsatz geschont, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich werden gelöst, eine Steigerung der Sauerstoffaufnahme wird erreicht. Der Kalorienverbrauch ist im Vergleich zum Walken um 20 Prozent höher. Dieser Katalog eines Alpinverbands atmet klassischen Bürokratiestil. Wanderungen werden durchgeführt, Verspannungen werden gelöst. Unsere Touren legen wir je nach Wetterlage fest, vier bis sieben Stunden ist unsere Gruppe jeden Tag unterwegs. Sie brauchen also eine gewisse Grundkondition, und Sie sollten trittsicher und schwindelfrei sein. Warum findet Nordic Walking immer mehr Anhänger? Sie trainieren 85 Prozent Ihrer Muskeln, und dank der Stöcke schonen Sie trotzdem Ihre Gelenke. Verspannungen in den Schulten und im Nacken lösen sich. Ihr Körper nimmt mehr Sauerstoff auf, und Sie verbrauchen ein Fünftel mehr Kalorien als beim Walken ohne Stöcke. Beim Nordic Walking trainieren Sie Herz, Kreislauf und Muskeln ideal. Deshalb treffen Sie im Park und beim Wandern immer mehr Anhänger dieser Sportart - Frauen und Männer, Jüngere und Ältere. Mein Grundrezept beim neu Texten war deshalb: Aktiv statt Passiv. Aktiv betont den Handelnden. Und wo immer es ging, spreche ich die Leser des Katalogs direkt an. Sie sind die potenziellen Teilnehmer, also die Kunden. Aus dem Schatzkästlein des Bürokratiestils stammen auch einige abstrakte Substantive: Gehzeiten, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit. Der Nominalstil versteckt das Leben. Im Urlaub bewegen sich Wanderer, hier im Katalog bewegen sich Gehzeiten. - Ich bringe das Leben in den Katalog. Beim zweiten Text habe ich auch den Aufbau geändert: Die Reihenfolge Frage - Fakten - Fazit erscheint mir überzeugender als der Aufbau des Ausgangstextes. Dort steht das Fazit vorn und wirkt wie eine Behauptung. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Wie finde ich Wege aus der Passiv-Falle? Wie löse ich mich vom Nominalstil
und von bürokratischen Formulierungen? - Wir schreiben nicht absichtlich
kompliziert, wir haben es so gelernt. In der Schule, in der Ausbildung und
vor allem beim Studium haben wir einen komplizierten Schreibstil gelernt. Und: Ermuntern Sie Ihr Gegenüber, Fragen zu stellen. Was Ihr Zuhörer nicht versteht, versteht wahrscheinlich später auch der Leser nicht. Betrachten Sie ein "Das verstehe ich nicht" als Hilfestellung, um konkreter zu formulieren. Wenn Sie keinen Sparringspartner haben, dem Sie Ihren Text erzählen können: Machen Sie einfach einen Entwurf. Drucken Sie ihn aus und überprüfen Sie die Sätze anhand meiner Schreibregeln. Wie steht es mit Aktiv und Passiv? Haben Sie Menschen im Text? Als Subjekt? Wie steht es um die Verben?
cleartext zum Mitmachen "Das Triebwerk hebt dabei nur relativ sanft die Stimme, obwohl im AMG- Sportpaket (2124 Euro), das unseren schneeweißen Benz dank Tieferlegung, Spoiler, Schürzen und Schweller zum Liebling jener Sorte junger Männer machte, mit denen wir unsere Töchter partout nicht auf dem Abschlussball sehen wollen, auch ein 'sportlicher Motorsound' enthalten ist." Dieser Satz stammt vom Autotester eine großen deutschen Tageszeitung.
Er ist verbal das, was in Autoanzeigen "Vollausstattung" heißt: alles drin. Ich sage allerdings, es ist zu viel drin. Wenn Sie also mögen: Nehmen Sie
etwas das Gas weg. Meine Version stelle ich Ihnen im September vor. Die Wunschbox Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken? Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite. Für Sie nachgelesen "Oft quellen Pressemitteilungen ohne Unterlass aus Faxgeräten, verstopfen E-Mail-Fächer und stapeln sich in den Poststellen der Redaktionen" - in Deutschland 40 000 bis 50 000 im Monat, schätzt der Journalist und PR-Profi Wolfgang Zehrt. "Ihre Pressemitteilung steht also in harter Konkurrenz." Sein Rezept klingt einfach: "Handwerklich gut über interessante Themen schreiben und diese gezielt kommunizieren". In seinem Buch erläutert er, was ein interessantes Thema ist, wie ich eine Pressemittelung so schreibe, dass Journalisten sie verwenden können. Und wem ich sie zukommen lasse.
Aus dem Inhalt: Themen finden, Aktualität schaffen, an Themen andocken. Beschreiben statt bewerben, kurz schreiben, nur e i n Thema pro Text. Umgang mit Journalisten: Wie "ticken" sie, wie entscheiden sie? Zehrts Fazit: "Für gut geschriebene und gezielt adressierte PR-Meldungen besteht nach wie vor eine gute Chance, in den Medien berücksichtigt zu werden." Mein Urteil: Hier schreibt ein Praktiker. Er kennt den Alltag von Journalisten und Pressestellen. Er weiß, was beide brauchen, vermittelt Handwerkszeug. Bringt Beispiele, analysiert Gruseltexte und schreibt sie neu. Empfehlenswert. |
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Heute gibt der cleartext-Newsletter wie versprochen noch
einmal Gas - auch wenn der Benzinpreis dies eigentlich
verbietet. Und falls auf Ihrem Schreibtisch seit dem Urlaub
noch der eine oder andere unbeantwortete Geschäftsbrief
liegt: Ich hätte etwas für Sie - den September-Buchtipp. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Das Triebwerk hebt dabei nur relativ sanft die Stimme, obwohl im AMG- Sportpaket (2124 Euro), das unseren schneeweißen Benz dank Tieferlegung, Spoiler, Schürzen und Schweller zum Liebling jener Sorte junger Männer machte, mit denen wir unsere Töchter partout nicht auf dem Abschlussball sehen wollen, auch ein 'sportlicher Motorsound' enthalten ist."
Dieser Satz stammt vom Autotester eine großen Tageszeitung. Und Das Triebwerk hebt dabei nur relativ sanft die Stimme, obwohl im AMG- Sportpaket auch ein 'sportlicher Motorsound' enthalten ist. Für 2124 Euro umfasst es ein tiefer gelegtes Fahrwerk, Spoiler, Schürzen und Schweller. Damit ist unser weißer Benz der Liebling jener Sorte junger Männer, mit denen wir unsere Töchter partout nicht beim Abschlussball sehen wollen. Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Einen Begriff habe ich ersetzt: Aus der etwas sperrigen Substantivierung "Tieferlegung" mache ich ein "tiefer gelegtes Fahrwerk". Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: In meinen Schreibseminaren erlebe ich immer wieder: Viele von uns haben eine gewisse Scheu vor kurzen Sätzen. Manche sagen es offen: Das klingt mir zu abgehackt. Damit haben sie recht - und auch wieder nicht. Abgehackt und gleichförmig klingen kurze Sätze dann, wenn ich sie alle
nach dem klassischen Schema baue: Subjekt - Prädikat - Objekt: Lösen Sie sich von diesem Schema. Nirgends steht, dass ein Satz mit dem Subjekt beginnen muss. Wenn ich mit den Satzbausteinen spiele, bekommt auch ein Text aus kurzen Sätzen Spannung und wirkt abwechslungsreich: "Gestern habe ich einen Brief vom Finanzamt bekommen. Aufgemacht habe ich ihn bisher aber noch nicht. Vielleicht mache ich das morgen."
cleartext zum Mitmachen "Für alle offiziellen Nachrichten, die aus Nordkorea kommen, gilt, dass sie
nicht mit der Wahrheit, sondern mit den propagandistischen Absichten eines
im wahrsten Sinne des Wortes totalitären Staatsapparats übereinzustimmen
haben. Insbesonders gilt dies für alles, was mit dem Führer der Nordkoreaner,
Kim Jong Il, zu tun hat. In einem System, das keine zivilisierte Übergabe der
Macht kennt, muss selbstverständlich der Gesundheitszustand des Diktators
ein Staatsgeheimnis sein." Dadurch verdanke ich der NZZ den einen oder anderen Gruselsatz für meine Journalistenseminare. Wenn Sie also mögen: Werfen Sie die Stil-Motorsäge an und lichten Sie das Unterholz. Meine Version stelle ich Ihnen im Oktober vor.
Die Wunschbox Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken? Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite. Für Sie nachgelesen "Voreilig erwarten wir, dass unsere Briefe vom Anfang bis zum Ende Für mich als Verfasser eines Geschäftsbriefs klingt das ernüchternd, aber wissenschaftliche Untersuchungen belegen es: Der Empfänger scannt zunächst flüchtig bestimmte Bereiche eines Briefs ab. Dieser erste Eindruck kann entscheidend sein. Gut, wenn ich das als Verfasser berücksichtige. Auf was ich dabei achten sollte, wird mir in diesem Buch erläutert:
Aus dem Inhalt: Fünf Erfolgsmerkmale für kundenorientierte Texte: Optik, Gliederung, Einfachheit, Prägnanz, Anregung. Den Leser in den Mittelpunkt stellen. Moderner Stil. E-Mails. Gute Briefe sparen Zeit und Geld. Mein Urteil: sehr praxisnah. Gut gegliedert. Kurze Zusammenfassungen am
Ende der Kapitel. Großer Übungsteil. Dazu ein Lexikon für modernen Stil:
Gruselwörter von A bis Z plus Alternativvorschläge. Sehr empfehlenswert. |
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Passend zum Herbst stellt der cleartext-Newsletter heute
zwei Auslaufmodelle vor: Nordkorea und den Flughafen
Berlin-Tempelhof. Beide hätten eine kreative PR bitter
nötig. Was das hieße, verrät Ihnen der Oktober-Buchtipp. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Für alle offiziellen Nachrichten, die aus Nordkorea kommen, gilt, dass sie
nicht mit der Wahrheit, sondern mit den propagandistischen Absichten eines
im wahrsten Sinne des Wortes totalitären Staatsapparats übereinzustimmen
haben. Insbesonders gilt dies für alles, was mit dem Führer der Nordkoreaner,
Kim Jong Il, zu tun hat. In einem System, das keine zivilisierte Übergabe der
Macht kennt, muss selbstverständlich der Gesundheitszustand des Diktators
Eine Passage aus der Neuen Zürcher Zeitung. Das Blatt ist berühmt für Für alle offiziellen Nachrichten aus Nordkorea gilt: Sie müssen nicht mit der Wahrheit übereinstimmen, sondern mit den propagandistischen Absichten eines totalitären Staatsapparats. Dies gilt vor allem für Informationen über den Diktator Kim Jong Il. Nordkorea kennt keine zivilisierte Übergabe der Macht, und Kims Gesundheitszustand wird dadurch zwangsläufig zum Staatsgeheimnis. Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es: Im ersten Satz steht die Hausptaussage in einem dass-Nebensatz, und dieser
ist zusätzlich geteilt - das entscheidende Verb kommt erst ganz am Ende. Ich
setze nach dem "gilt" einen Doppelpunkt und mache danach mit einem neuen
Hauptsatz weiter. Das Verb ziehe ich in die Satzmitte, vor das "sondern". Den
zweiten Satz fasse ich kürzer: aus dem Nebensatz wird ein "Informationen". Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Profitieren Sie von guten Texten anderer. Früher hatte ich an dieser Stelle schon einmal geschrieben: Sie lesen einen Text, und er gefällt Ihnen. Er liest sich wie von selbst, und der Inhalt wird auf Anhieb klar. Mit einem anderen Text müssen Sie sich mühen oder einzelne Sätze sogar mehrmals lesen. Schauen Sie genau hin: Was macht den einen Text klar und verständlich? Was macht den anderen sperrig? Hat der Autor seine Sätze überfrachtet? Sind sie zerrissen? Und was macht den ersten Text so verständlich? Ist es die Länge der Sätze? Die Wortwahl? Wo sitzen Subjekt und Prädikat? Damit verändert sich Ihr Blick auf fremde Texte. Das ist ein wichtiger Schritt auf Ihrem eigenen Weg, klare Sätze und gute Texte zu schreiben. Heute sage ich noch: Sammeln Sie gute fremde Texte. Legen Sie sich einen kleinen Fundus an mit gelungenen Formulierungen, mit kurzen und klaren Erklärungen zu komplizierten Sachverhalten. Wenn jemand anderer eine Sache besser erklären kann als Sie: Ärgern Sie sich nicht. Schauen Sie lieber hin, wie der andere es gemacht hat - und machen Sie es beim nächsten Mal genauso.
cleartext zum Mitmachen "Von oben hat man einen weiten Blick über das Gelände, und man sieht, dass nicht nur das riesige Gebäude, sondern auch die enorme Fläche ein Problem sind. Da wäre Platz für einen ganzen Stadtteil. Doch den braucht in einer Stadt, in der es schon als Erfolg gilt, wenn die Bevölkerung stagniert, wohl niemand." Diese Sätze stammen aus einem Bericht über die ungewisse Zukunft des legendären Flugplatzes Berlin-Tempelhof nach der Schließung Ende Oktober. Der Autor hat sich angepasst: Vom Satzbau her hat er sich etwas verloren in der gigantischen Weite des Feldes. - Wenn Sie mögen: Schlagen Sie ein paar grammatikalische Pflöcke ein. Meine Version stelle ich Ihnen im November vor.
Die Wunschbox Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken? Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite. Für Sie nachgelesen "Es gibt Pressemitteilungen, deren Überlebenszeit in einer Redaktion nicht länger als 0,8 Sekunden beträgt. Dann landen Sie im Papierkorb. Das gleiche Schicksal ereilt Kundenzeitungen, die an den Interessen ihrer Leser vorbei geschrieben sind, und Newsletter, deren Untehaltungswert so hoch ist wie der eines Medikamenten-Beipackzettels". Nach 0,8 Sekunden sind sie Geschichte." Diese Sätze stammen von einem PR-Trainer. Von einem Mann also, der sich auskennt mit der Gretchenfrage von PR: Wie bringe ich die Botschaft rüber?
Aus dem Inhalt: Die "Fünf-Minuten-Terrine der Ideenfindung". Wie Sie Meyer denkt konsequent vom Empfänger her. An konkreten Beispielen zeigt er Wege zur Aufmerksamkeit des Lesers: "Andere Pressemitteilungen fallen auf. Redakteure lesen den Text an, werden neugierig, greifen zum Telefon. Es gibt Mitarbeiterzeitungen, die nicht nur gelesen, sondern aufbewahrt werden. Und Newsletter, bei denen der Reflex aussetzt, sofort die Delete-Taste zu drücken." - Mein Urteil: Hier spricht der Praktiker. Empfehlenswert.
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Goethe wünschte es sich auf dem Sterbebett, und auch die
Aufklärung versprach es: "Mehr Licht". Doch Klarheit wächst
nicht nur aus erhellenden Gedanken, sondern auch aus
verständlichen Worten und Sätzen. Ein streitbares Plädoyer
in dieser Sache bringt der cleartext-Buchtipp im November. Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff. Gruseltext des Monats "Von oben hat man einen weiten Blick über das Gelände, und man sieht, dass nicht nur das riesige Gebäude, sondern auch die enorme Fläche ein Problem sind. Da wäre Platz für einen ganzen Stadtteil. Doch den braucht in einer Stadt, in der es schon als Erfolg gilt, wenn die Bevölkerung stagniert, wohl niemand."
Ein Abgesang auf den Ende Oktober geschlossenen Flughafen Berlin- Von oben hat man einen weiten Blick über das Gelände, und man sieht: Nicht nur
das riesige Gebäude ist ein Problem, sondern auch das enorm große Flugfeld. Da
wäre Platz für einen ganzen Stadtteil. Doch den braucht in Berlin wohl niemand.
Hier gilt es schon als Erfolg, wenn die Bevölkerung stagniert und nicht schrumpft. Der dritte Satz ist ein klassischer Schachtelsatz: Der Hauptsatz ist zerstückelt, er ist unterbrochen durch einen Nebensatz, der seinerseits einen Nebensatz hat. Auch hier ist die Lösung einfach: Ich bringe zunächst den Hauptsatz zu Ende. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
Tipp des Monats: Die Frage tauchte neulich in einem meiner Seminare auf: Was ist richtig? "Wie das Umweltbundesamt mitteilte, sank der CO2-Ausstoß um 15 Prozent" - oder "Wie das Umweltbundesamt mitteilte, sei der CO2-Ausstoß um 15 Prozent gesunken". Indikativ oder Konjunktiv? - Ich sagte: Indikativ, aber begründen konnte ich es nicht. Mein Grammatik-Duden wusste es auch nicht. Was also tun? Rat wusste die Duden-Sprachberatung: Hier muss Indikativ stehen. Das "Wie das UBA mitteilte" ist keine Einleitung zu eine indirekte Rede, sondern eine faktische Wiedergabe der Mitteilung - also wie ein "Nach Angaben des UBA sank...". Hier darf deshalb kein Konjunktiv stehen. - Anders ist es bei der klassischen indirekten Rede: "Das UBA erklärte, der CO2-Ausstoß sei um 15 Prozent gesunken." Die Duden-Sprachberatung ist eine feine Sache: Kluge Menschen geben einem Auskunft am Telefon. Montags bis freitags zwischen 8:00 und 18:00 Uhr unter der Nummer 09001 870098 . Aus dem Festnetz kostet die Minute 1,86 Euro, aus dem Mobilfunknetz kann es teurer sein. Fragen Sie vorher Ihren Netzbetreiber.
cleartext zum Mitmachen "Mag die Aufklärung den menschlichen Geist an sich faszinieren und beeinflussen,
so hat sie jedenfalls nicht alle Kulturen des Globus erfasst. Denn überall da, wo
religiös oder magisch definierte Weltanschauungen ihre Domnanz über weite
Teile des Lebens ausüben und wo mithin die Deutungshoheit über das praktische
Tun keinen oder wenig Spielraum lässt für individuelle Standpunkte, Erkenntnisse Diese Sätze stammen aus einer Abhandlung zum Thema Aufklärung, die ein Historiker für eine Schweizer Stiftung schrieb. Sie mag erhellend in der Sache sein, als Text ist sie es nicht. - Wenn Sie mögen: Halten Sie es mit Goethe und bringen Sie mehr Licht in diese Sätze. Meine Version stelle ich Ihnen im Dezember vor.
Die Wunschbox Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken? Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite. Für Sie nachgelesen "Die Phrasendrescher sind unter uns. Ich will Ihnen zeigen, ... wie Politiker und Wissenschaftler, Feuilletonisten und PR-Fachleute, vor allem aber die Brut der Marketing-Experten unseren Kopf täglich mit Nichtigkeiten und Unsinn vollstopfen. Wie sie sich breit machen mit ihrem leeren Gebrabbel ..." Der Journalist und Schreibtrainer Markus Reiter spießt sie auf, die schicken Begriffe wie "Innovation", "Herausforderung" oder "Priorität". Und er belegt: Oft sind es nur Worthülsen. Unter den neuen Kleidern sei der Kaiser nackt.
Mit einem Ausflug in die Hirnforschung belegt der Autor: Je anschaulicher ein Autor/in Wörter und Sätze formt, desto mehr bleibt beim Leser hängen. Je vertrauter diesem die Worte eines Textes sind, desto leichter hat er es. Eine bildhafte und anschauliche Sprache erreicht auch die Gefühlsebene. Reiter zitiert Schulz von Thuns "Magisches Viereck der Verständlichkeit":
Einfachheit, Gliederung und Ordnung, Kürze und Prägnanz, anregende
Zusätze. Und er formuliert daraus "fünf Regeln für Klardeutsch". - Mein
Urteil: treffsicher und unterhaltsam. Für alle, die ohne Schaum vor dem Mund über Irrwege unserer Sprache nachdenken wollen. Wer dagegen
Wege sucht, selbst klarer zu schreiben, wird anderswo besser bedient.
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In der Abenddämmerung des Jahres ziehen wir Bilanz, im Großen
und in der eigenen Welt. Im Großen stehe es nicht zum Besten,
heißt es im heutigen Gruseltext. Um eine Bilanz für uns selbst
geht es dagegen im cleartext-Buchtipp für den Monat Dezember. Gruseltext des Monats "Mag die Aufklärung den menschlichen Geist an sich faszinieren und beeinflussen,
so hat sie jedenfalls nicht alle Kulturen des Globus erfasst. Denn überall da, wo
religiös oder magisch definierte Weltanschauungen ihre Dominanz über weite
Teile des Lebens ausüben und wo mithin die Deutungshoheit über das praktische (Und einige Kapitel später): "Warum die schottische Aufklärung, beruhend auf der Verknüpfung eines die egoistischen Neigungen des Individuums befördernden Utilitarismus mit einer religiös fundierten Morallehre und erfüllt von technologischer Innovationsbereitschaft, eine derartige Wirkung zu entfalten vermochte, wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt." Die Aufklärung wollte Licht ins Dunkel des menschlichen Daseins bringen, wollte Pfade schlagen durch das Dickicht des Unverständlichen und des scheinbar Schicksalhaften. Klare Gedanken sind das A und O auf diesem Weg, und klare Sätze sind ihre wichtigsten Spediteure. Also vielleicht so: Mag die Aufklärung den menschlichen Geist an sich faszinieren und beeinflussen - alle Kulturen dieser Welt hat sie jedenfalls nicht erfasst. In einigen begegnet man dieser Ausprägung westlicher Zivilisation mit Widerstand, ja mit Verbot: überall da, wo religiös oder magisch definierte Weltanschauungen weite Teile des Lebens beherrschen. Deren Deutungshoheit lässt dem Einzelnen kaum Spielraum für eigene Standpunkte, Erkenntnisse und Perspektiven. (...) Dabei dürfte es nicht ausreichen zu fragen, warum sich diese Kulturen anders entwickelt haben als der Westen. Die schottische Aufklärung hat eine komplexe Grundlage: ein in der Konsequenz
egoistisches Nützlichkeitsdenken, verknüpft mit einer religiös fundierten Morallehre
und erfüllt von Aufgeschlossenheit für den technischen Fortschritt. Für die große Wirkung dieser Weltanschauung sehen Wissenschaftler ein Bündel von Ursachen. Der erste Satz ist im Prinzip in Ordnung, nur das "so" ist etwas irritierend. Ich
goss den Gegensatz in eine Gedankenstrich-Konstruktion mit einem "jedenfalls".
Der zweite Satz hat es in sich. Die Grundaussage lautet: In einigen Teilen der
Welt werden die Prinzipien der Aufklärung angefeindet. Doch dieses "In einigen
Teilen der Welt" erscheint in einer "überall-da,-wo"-Schachtelkonstruktion. Ich formuliere zunächst die Hauptaussage. Dann kommt nach dem Doppelpunkt das "wo", und dann in einem dritten Satz die Konsequenz für die Menschen. Der "Dabei-dürfte-es-mit-der-Nachfrage"-Satz ist ebenfalls ein Schachtelsatz. Auch hier bringe ich zunächst die Hauptaussage und dann den Nebensatz. Der dritte Textteil ist besonders vertrackt. Der Satzkern ist: (Es) wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt. Das "Es" erscheint als Frage:
Warum konnte die schottische Aufklärung eine derartige Wirkung entfalten? Und
in diese Frage ist eine lange Definition eben dieser Weltanschauung eingebettet. Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:
PS: Falls Sie sich an diesem Gruseltext die Zähne ausgebissen haben: Auch für mich war er einer der schwierigsten seit Bestehen des cleartext-Newsletters. Tipp des Monats: In meinen Seminaren sage ich: Wörter aus dem Leben bringen Leben in den Text. - Was meine ich damit? Mit einem Text muss ich eine Brücke zum Leser schlagen. Das ist einfach, wenn ich über Dinge schreiben, von denen jeder von uns ein Bild hat: Schwimmbad, Verkehrsstau, Schlussverkauf. Schwieriger ist es, wenn ich über Abstraktes schreibe - etwa über das Thema Aufklärung. Anschaulich werden solche Texte, wenn ich abstrakte Begriffe vermeide und stattdessen lebensnahe Wörter verwende. Und wenn ich Menschen einbaue. Statt "ihre Dominanz ausüben" schreibe ich "beherrschen". Aus einem "die egoistischen Neigungen des Individuums befördernden Utilitarismus" wird "ein in der Konsequenz egoistisches Nützlichkeitsdenken", und aus "technologischer Innovationsbereitschaft" "Aufgeschlossenheit für den technischen Fortschritt". Dazu kommen die Menschen: Das "wo die Deutungshoheit über das praktische
Tun keinen oder wenig Spielraum lässt für individuelle Standpunkte ..." wird
bei mir zu "Deren Deutungshoheit lässt dem Einzelnen kaum Spielraum für
eigene Standpunkte ...". Und aus dem anonymen "wird auf eine Kumulation verschiedener Ursachen zurückgeführt" mache ich "... sehen Wissenschaftler
ein Bündel von Ursachen." - Mit dem Aktiv bringe ich Menschen in den Text.
cleartext zum Mitmachen "In welcher Weise und mit welchem Nachdruck setzt sich die Bundesregierung gegenüber Russland dafür ein, dass eine Reihe von Gefangenen, deren
Verhaftung offensichtlich politisch motiviert war und bei deren Prozessen es zu schwerwiegenden Verstößen gegen die russische Strafprozessordnung kam, wie
der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski, Nein, Sie haben sich nicht getäuscht: Das ist e i n Satz mit 191 Wörtern. Er weist den bisherigen cleartext-Primus mit 108 Wörtern locker in die Schranken. Der neue Rekordhalter stammt aus einer Bundestags-Anfrage der Grünen. Wie hätten Sie die Sache formuliert? - Meine Version stelle ich Ihnen im Januar vor.
Die Wunschbox Haben Sie einen Text, bei dem Sie sagen: Er ist noch nicht so, wie ich ihn mir wünsche. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt? Schicken Sie mir diesen Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken? Schicken Sie das Ganze per E-Mail an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" - oder an cleartext, Oranienburger Straße 33 in 10117 Berlin. Ich stelle Ihren Text hier in der Wunschbox vor - ohne Namensnennung und gerne auch anonymisiert. Und ich stelle Ihnen meine Alternativversion dazu. Je kürzer Ihr Text ist, desto besser: bitte maximal eine halbe DIN-A-4-Seite. Für Sie nachgelesen "Letztendlich war es für mich ein Glücksfall - obwohl es zu Anfang auch eine
Katastrophe war. Aber mir ist es gelungen, von der negativen Beurteilung zu
einer positiven Einschätzung zu kommen. Bisher habe ich noch nichts bereut."
Imme im Sommer und vor Weihnachten stelle ich Ihnen hier ein Buch vor zu einem Thema jenseits des klaren und verständlichen Schreibens. Heute geht es um das Thema Karrierebruch - und speziell um die Frage: Wie schaffen es manche Menschen, diese Katastrophe konstruktiv zu verarbeiten und gerade nach einem Abstieg zu sagen: Es geht mir besser als früher. Als ich das Buch im Frühjahr schrieb, ahnten wir noch nichts von der Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie gibt dem Thema eine zusätzliche Brisanz.
Aus dem Inhalt: "Ich musste meine Papiere abgeben." Sicherheit war gestern. "Ich habe mich einfach geschämt." Abschied und Neubeginn: Die Wirklichkeit annehmen. "Was ich jetzt mache, macht Sinn." Abschied aus eigener Kraft: Die Kunst des Loslassens. "Man denkt zu selten über Alternativen nach." "Das Buch ist aufschlussreich, weil es einen Einblick in Berufssituationen gibt, die gerne schamhaft totgeschwiegen werden. Und die doch jedem Angestellten jederzeit blühen können. Die Aufmerksamkeit gehört sonst den Aufsteigern, den Gescheiterten geht man aus dem Weg. Hier lernt man Menschen kennen, die mit der schwierigen Situation fertig wurden." (Tages-Anzeiger, Zürich) "Geschichten von Menschen, in denen sich jeder wiederfinden kann. Sie wollen Erfolg haben, sind zielstrebig, haben einen Karriereplan. Aber dann scheitern sie. Wer in einer ähnlichen Situation steckt, mag sich getröstet fühlen und Anregungen finden. Für alle anderen ist es eine interessante Anregung, sich mit dem 'Was wäre, wenn …' auseinanderzusetzen." (Hamburger Abendblatt)
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