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Copyright aller Texte: cleartext, Hans Ruoff.

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Guten Tag! [Januar 2009]

Das neue Jahr verspricht wirtschaftlich kein Zuckerschlecken. Umso wichtiger ist es, dass wir eine klare Sprache pflegen. Im Interesse der Adressaten und unseres Rufs. Und falls es um Größeres gehen sollte, habe ich einen Buchtipp für Sie.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Gruseltext des Monats

"In welcher Weise und mit welchem Nachdruck setzt sich die Bundes-
regierung gegenüber Russland dafür ein, dass eine Reihe von Gefangenen, deren Verhaftung offensichtlich politisch motiviert war und bei deren Prozessen es zu schwerwiegenden Verstößen gegen die
russische Strafprozessordnung kam, wie der ehemalige Vorstands- vorsitzende des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski, der vor genau fünf Jahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, jetzt mit einer neuen Klage konfrontiert ist, die im abgelegenen ostsibirischen Tschita verhandelt werden soll, und dessen Gesuch auf vorzeitige Haftentlassung abgelehnt wurde, ebenso wie die ehemalige Jukos-Mitarbeiterin Swetlana Bachmina, die zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt und deren Gesuch auf Haftentlassung ebenfalls abgelehnt wurde, obwohl sie von der Gefängnisadministration positiv beurteilt wurde, zwei minderjährige Kinder hat und hochschwanger ist, wie Platon Lebedew, ehemaliger Bankdirektor von Menatep, der seit Juli 2003 inhaftiert und schwer krank ist, ebenso wie der an HIV erkrankte ehemalige Jukos-Mitarbeiter Wassily Alexanian und die beiden Physiker Igor Sutjagin und Walentin Danilow, die im April bzw. November 2004 wegen angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen, zu denen sie keinen Zugang haben konnten, zu 15 bzw. 14 Jahren verschärftem Straflager verurteilt wurden, sobald wie möglich freigelassen werden?"

Dieser Gruselsatz markiert einen neuen cleartext-Rekord: 191 Wörter. Er stammt aus einer Bundestags-Anfrage der Grünen.  Bei aller Liebe für freies Wachstum: her mit der Heckenschere!

Wir fragen die Bundesregierung nach ihrem Eintreten für eine Reihe von Gefangenen in Russland. Wir sprechen von all jenen, deren Verhaftung offensichtlich politisch motiviert war und bei denen es im Prozess zu schwerwiegenden Verstößen gegen die Strafprozessordnung kam. Sechs Betroffene seien hier genannt: Michail Chodorkowski, Swetlana Bachmina, Platon Lebedew, Wassily Alexanian, Igor Sutjagin und Walentin Danilow.

Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski, wurde vor fünf Jahren wegen Steuerhinterziehung und Betrug zu acht Jahren Haft verurteilt. Jetzt ist er mit einer neuen Klage konfrontiert, die in der abgelegenen Stadt Tschita in Ostsibirien verhandelt werden soll.
Chodorkowskis Gesuch auf vorzeitige Haftentlassung wurde abgelehnt.  

Die ehemalige Jukos-Mitarbeiterin Swetlana Bachmina wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch ihr Gesuch auf aftentlassung
wurde abgelehnt, obwohl die Gefängnisleitung sie positiv beurteilt hatte und sie selbst zwei minderjährige Kinder hat und hochschwanger ist.

Der ehemalige Menatep-Bankdirektor Platon Lebedew sitzt seit 2003 in Haft, er ist schwer krank. Der ehemalige Jukos-Mitarbeiter Wassily
Alexanian ist an HIV erkrankt. Der Physiker Igor Sutjagin wurde 2004 zu 15 Jahren verschärftem Straflager verurteilt, sein Kollege Walentin Danilow zu 14 Jahren. Die Justiz warf ihnen Verrat von Staatsgeheimnissen vor - obwohl sie zu den fraglichen Informationen keinen Zugang haben konnten.

Zwei Fragen haben wir dazu: Wie setzt sich die Bundesregierung bei der russischen Regierung dafür ein, dass diese Menschen sobald wie möglich freigelassen werden? Und: Wie nachdrücklich engagiert sie sich dabei?

Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es:

Eigentlich ist das Anliegen der Grünen klar: Was tut die Bundesregierung dafür, dass Moskau mutmaßliche politische Gefangene freilässt? -  Zum Gruselsatz wird das Ganze, weil die Grünen in diesen einen Satz sechs Betroffene einbauen und in zahlreichen weiteren Nebensätzen deren Schicksal schildern. Das Ergebnis ist ein Schachtelsatz mit vier Ebenen.

Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:

  • Zwei (oder mehr) kurze Sätze sind besser als ein langer
  • Portionieren Sie die Informationen: Aspekt eins. Punkt. Aspekt zwei
  • Schließen Sie den Hauptsatz ab, ehe der Nebensatz beginnt

Tipp des Monats: an den Leser denken

Machen Sie Absätze! Lieber mehr als weniger. Und lieber kurze als lange. Sechs Zeilen pro Absatz sind genug. Untersuchungen haben gezeigt: Kurze Absätze laden zum Lesen ein, lange Absätze stoßen viele Leser ab.

Orientieren Sie sich an dieser Faustformel: Jeder Aspekt bekommt einen eigenen Satz, jedes Teilthema bekommt einen eigenen Absatz. Unser Gruseltext geht über 21 Zeilen. Ein Satz - und deshalb auch nur ein Absatz. Ich mache fünf daraus und gebe dem Ganzen eine klare Struktur:

  • Absatz eins: ins Thema einführen und sechs Betroffene nennen
  • Absatz zwei: Details zu Person eins
  • Absatz drei: Details zu Person zwei
  • Absatz vier: Details zu den vier anderen Personen
  • Absatz fünf: Thema wieder aufgreifen. Dann die Fragen. Und Ende.

 


cleartext zum Mitmachen

"Muss Dick Cheney jetzt ins Gefängnis, jetzt, da Barack Obama ins Weiße Haus einzieht? Nirgendwo würden die Bürgerrechtler vom Center for Constitutional Rights (und gewiss nicht nur die) den bisherigen
Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten und andere Top-Angehörige der Bush-Regierung wie den einstigen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lieber sehen als vor Gericht. Dass die Bushisten verurteilt werden müssten, ist für linke Bürgerrechtler eine ausgemachte Sache.
(...)

Unter Barack Obama, so die Hoffnung, könnten die Initiatoren der staatlich genehmigten Folter und der Entführungen von Terrorverdächtigen, die Verantwortlichen für ungenehmigte Abhörmaßnahmen und die Anstifter politisch motivierter Säuberungen im Beamtenapparat des Bundes endlich zur Rechenschaft gezogen werden."

Ein brisantes Thema griff eine große deutsche Tageszeitung da auf ihrer Titelseite auf. Die Liste der Kritisierten ist lang, die der Vorwürfe ist noch länger, die Sätze ziehen sich. Wenn Sie mögen: Kürzen Sie die Sätze. Die Aussage wird dann klarer. - Meine Version stelle ich Ihnen im Februar vor.

 


Für Sie nachgelesen

"Weshalb gehen Sie so zögerlich mit der Entscheidung um, ein Buch zu
schreiben? Dass es Arbeit macht und Zeit kostet, ist völlig richtig, aber ein schwaches Argument. Wenn es nicht um die Niederschrift Ihres fachlichen Wissens ginge, wenn Schreiben bloß Ihr Hobby wäre, dann wäre Ihnen der Zeitaufwand auch egal."

Dies schreibt ein Mann, der seit 15 Jahren als Geburtshelfer für Bücher
arbeitet. Klaus Reinhardt ist Lektor in einem Schweizer Verlag. Und er hat selbst Bücher geschrieben. Wie das funktioniert, hat er aufgezeichnet:

Klaus Reinhardt
Vom Wissen zum Buch

Fach- und Sachbücher schreiben
Verlag Hans Huber, Bern 2008  
Psychologie Sachbuch 
ISBN 978-3-456-84521-0   16,95 Euro

Aus dem Inhalt: "Die erste Fassung: Erfahrungen mit dem Thema. Die
zweite Fassung: Ordnung und Gestalt. Liegen lassen und lesen lassen.
Satzbaukunst. Verben pflegen und Bilder jäten. Das Buch verkaufen".

Unter Reinhardts Anleitung wird Bücher schreiben vorstellbar. Sein Tipp: "Abends immer mal wieder ein halbes Stündchen vor sich hin schreiben, den einen oder anderen Urlaub mit einem Notizbuch verbringen, das kann man schwerlich als Strapaze ansehen. Und genau so entstehen gute Bücher."

"Vom Wissen zum Buch" ist kein plumper "Schreiben-ohne-Mühe"-Ratgeber, sondern eine gute Gebrauchsanleitung. Mein Urteil: sehr empfehlenswert. 

 

Guten Tag! [Februar 2009]

"Ein durchschnittlicher Satz in einer deutschen Zeitung nimmt ein Viertel einer Spalte ein, danach kommt das Verb, und man erfährt zum ersten Mal, wovon die ganze Zeit die Rede war" - so spottete Mark Twain über die deutsche Sprache. In diesem Newsletter zeige ich Ihnen, wie Sie das Verb nach vorn holen. Ihre Leser freut das.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Gruseltext des Monats

"Muss Dick Cheney jetzt ins Gefängnis, jetzt, da Barack Obama ins Weiße Haus einzieht? Nirgendwo würden die Bürgerrechtler vom Center for Constitutional Rights (und gewiss nicht nur die) den bisherigen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten und andere Top-Angehörige der Bush-Regierung wie den einstigen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lieber sehen als vor Gericht. Dass die Bushisten verurteilt werden müssten, ist für linke Bürgerrechtler eine ausgemachte Sache.
(...)
Unter Barack Obama, so die Hoffnung, könnten die Initiatoren der staatlich genehmigten Folter und der Entführungen von Terrorverdächtigen, die Verantwortlichen für ungenehmigte Abhörmaßnahmen und die Anstifter politisch motivierter Säuberungen im Beamtenapparat des Bundes endlich zur Rechenschaft gezogen werden."

Die markierten Verben stehen am Ende überlanger Sätze. Der Leser muss sich durch alle Details quälen und erfährt erst ganz am Schluss, worauf der Satz hinausläuft. Mark Twain hatte vorgeschlagen, man solle deutsche Texte auf den Kopf stellen, dann läsen sie sich leichter. 

Muss Dick Cheney jetzt ins Gefängnis, wenn Barack Obama ins Weiße Haus einzieht? Linke Bürgerrechtler sähen den bisherigen US-Vizepräsidenten am liebsten vor Gericht. Ihn und andere führende Politiker der Bush-Regierung wie Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Bushisten müssten verurteilt werden - das ist eine ausgemachte Sache für die Bürgerrechtler vom Center for Constitutional Rights (und gewiss nicht nur für sie).
(...)
Die Hoffnung: Unter Barack Obama könnten endlich jene zur Rechenschaft gezogen werden, die die staatlich genehmigte Folter bei Terrorverdächtigen auf den Weg brachten und diese Menschen entführen ließen, die verantwortlich zeichneten für illegale Abhöraktionen und die die Anstifter waren zu politisch motivierten Säuberungen im Beamtenapparat des Bundes.

Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es:

Lang wurde der Weg in den beiden Gruselsätzen wegen der Aufzählungen: im ersten Satz die beiden Bush-Getreuen mit ihren Amtsbezeichnungen, im zweiten Satz die Verantwortlichen der detailliert aufgeführten Rechtsbrüche. Im ersten Fall schneide ich den Satz nur auf Cheney zu und ersetze den Namen der Organisation durch "Linke Bürgerrechtler". Das verkürzt den Weg bis zum Verb erheblich. Rumsfeld schiebe ich in einem eigenen Satz nach.

Im zweiten Fall ersetze ich die lange Aufzählung der Verantwortlichen  zunächst durch ein "jene". Dieser Trick macht den Hauptsatz sehr kurz. Die Aufzählung selbst wandert in drei hintereinander gehängte Relativsätze. 


Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:

  • Machen Sie die Wege im Satz kurz: maximal sechs Wörter zwischen
    Subjekt und Prädikat oder zwischen den beiden Teilen des Verbs
  • Schließen Sie den Hauptsatz ab, ehe der Nebensatz beginnt

cleartext zum Mitmachen

"Tusk, dessen Vorfahren als Danziger Reichsbürger waren, hat sich dagegen - im stillen Zusammenspiel mit Bundeskanzlein Angela Merkel - bislang durchaus erfolgreich bemüht, den Geschichtsstreit namentlich um die Vertreibung nach dem Krieg, der die deutsch-polnischen Beziehungen erheblich eingetrübt hat, aus der operativen Politik heauszuziehen."

Dieser Satz stand in einem Artikel zum Streit um ein Weltkriegsmuseum in Danzig. Er wirkt verwickelt wie das Thema selbst. Und es geht weiter:

"In (der Zeitung) Rzeczpospolita heißt es, auf keinen Fall könne hingenommen werden, dass zwischen dem Schmerz einer deutschen Mutter, deren Kind bei einem Bombenangriff umgekommen sei, und dem Schmerz einer polnischen Mutter, deren Sohn als Untergrundkämpfer gefallen sei, ein Gleichheitszeichen gesetzt werde."

Falls Sie eine Idee haben: Entwirren Sie diese komplizierte Angelegenheit. Meine Lösung stelle ich Ihnen im cleartext-Newsletter im März vor.

 

Guten Tag! [März 2009]

Zum Schachtelsatz haben viele von uns ein zwiespältiges
Verhältnis. Wir mögen ihn nicht sonderlich, aber im Alltag
holt er uns immer wieder ein. In diesem Newsletter zeige
ich Ihnen, wie es auch ohne den Schachtelsatz geht.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Gruseltext des Monats

"Tusk, dessen Vorfahren als Danziger Reichsbürger waren, hat sich dagegen - im stillen Zusammenspiel mit Bundeskanzlein Angela Merkel - bislang durchaus erfolgreich bemüht, den Geschichtsstreit namentlich um die Vertreibung nach dem Krieg, der die deutsch-polnischen Beziehungen erheblich eingetrübt hat, aus der operativen Politik herauszuziehen."
(...)
"In (der Zeitung) Rzeczpospolita heißt es, auf keinen Fall könne hingenommen werden, dass zwischen dem Schmerz einer deutschen Mutter, deren Kind bei einem Bombenangriff umgekommen sei, und dem Schmerz einer polnischen Mutter, deren Sohn als Untergrundkämpfer gefallen sei, ein Gleichheitszeichen gesetzt werde."

Diese Sätze standen in einem Artikel zum Streit um ein Weltkriegs-Museum in Danzig. Sie sind verschachtelt wie das Thema selbst. Wie in der Politik gilt auch beim Schreiben darüber: eines nach dem anderen, und einen klaren Blick für das Ganze behalten.

Tusk dagegen bemühte sich bislang durchaus erfolgreich, den Streit um die Vertreibung aus der Tagespolitik herauszuziehen. Dieser Streit hat die deutsch-polnischen Beziehungen erheblich eingetrübt. Tusk agierte hier im stillen Zusammenspiel mit Bundeskanzlein Angela Merkel.

Für ihn war das eine Gratwanderung. Seine Vorfahren waren Danziger
und damit Bürger des damaligen Deutschen Reichs. Im Wahlkampf machten seine Gegner das zum Thema und hielten ihm vor, er sei kein echter Pole.

Für Rzeczpospolita ist das Leid im Land der Täter nicht das Gleiche wie
das Leid im Land der Opfer. Aus Sicht der Zeitung gilt das selbst für den Schmerz von Frauen, die ihre Kinder im Krieg verloren. Das Kind der deutschen Mutter sei bei einem Bombenangriff umgekommen, der Sohn der polnischen Mutter als Untergrundkämpfer gegen die Nazis gefallen. Es sei nicht hinnehmbar, hier Schmerz und Schmerz gleichzusetzen.

Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es:

Der erste Satz des Ausgangstextes vermischt zwei Handlungsstränge:
Tusks eigenes Handeln und dessen Kooperation mit der Kanzlerin. Dazu
kommt eine zweite Zeitebene: die Erinnerung an Tusks Vorfahren. Diese drei Aspekte verschachteln den Satz und machen es dem Leser schwer.

Ich trenne die Handlungsstränge. Die zweite Zeitebene packe ich in einen eigenen Absatz und erkläre, worum es hier geht. Der Text wird dadurch länger. Fall dafür der Platz nicht reichte, entfiele eben der ganze Absatz.

Der zweite Satz des Ausgangstextes ist ein klassischer Schachtelsatz:
Nach dem Hauptsatz kommt eine Passage in indirekter Rede und dann ein zweigeteilter dass-Satz. Jeder hat einen ergänzenden Relativsatz. Erst ganz am Ende kommt das Verb des dass-Satzes, das "gesetzt werde".

Es fiel mir nicht leicht, die Verschachtelung aufzulösen. Mein Vorschlag: Zu Beginn ein kurzes Fazit der Rzeczpospolita-Aussage. Dann kommt das konkrete Thema: der Schmerz der Mütter. Dann die Situationen hier und dort, und zuletzt in anderen Worten nochmals das Fazit des Autors.   


Beim Texten habe ich mich an diesen Schreibregeln orientiert:

  • Erst der Hauptsatz, dann der Nebensatz
  • Bürden Sie Ihren Sätzen nicht zu viel auf - inhaltlich und          grammatikalisch. Zwei kurze Sätze sind besser als ein langer
  • Trennen Sie die Zeitebenen. Springen sie nicht innerhalb eines
    Satzes von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück

Tipp des Monats

Hintergrund-Informationen können einen Text bereichern: Was bewegt
die Akteure, was sind ihre Beweggründe, Ziele, Befürchtungen?

Überlegen Sie dabei zunächst: Was weiß der Leser? Was kann ich voraussetzen, was muss ich erklären? Gerade als Expertin oder Experte sollten wir immer wieder innerlich einen Schritt zurücktreten und uns diese Fragen stellen. Sonst laufen die Hintergrund-Informationen ins Leere.

Der Danzig-Vorwurf der polnischen Konservativen gegen Tusk liegt fast zwei Jahre zurück. Den meisten Polen ist die damalige Wahlkampf-Attacke noch gut in Erinnerung, den meisten Lesern in Deutschland eher nicht.


Das cleartext-Jubiläum

Mit der heutigen Ausgabe wird der cleartext-Newsletter drei Jahre alt.
Zeit also für einen Blick zurück - und nach vorn. Sie können dabei sein und gemeinsam mit mir Bilanz ziehen. Mehr dazu erfahren Sie im April.

 

 

Guten Tag! [April 2009]

es ist Frühling und Zeit für Neues. Der cleartext-Newsletter hat zum dritten Mal Geburtstag. Er plant einen Frühjahrsputz und will ein paar Möbel umstellen. Ihre Meinung dazu ist ihm wichtig. Bitte schenken Sie ihm fünf Minuten Ihrer Zeit.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


1       Den cleartext-Newsletter lese ich

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

2          Wenn ich ihn lese, dann

         den Gruseltext des Monats

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

         die Lösung zum Gruseltext des Monats

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

         die Tipps "Klar und verständlich formulieren - so funktioniert es"

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

         den Tipp des Monats

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

         den kommenden Gruseltext "cleartext zum Mitmachen"

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

                  Wenn ich ihn lese, schreibe ich eine neue Version:

                  (   )         immer       
                  (   )         meistens
                  (   )         eher selten          
                  (   )         nie

         den Buchtipp "Für Sie nachgelesen"

         (   )         immer       
         (   )         meistens
         (   )         eher selten          
         (   )         nie

                  (   )         ich habe mehrere dieser Bücher gekauft
                  (   )         ich habe eines dieser Bücher gekauft
                  (   )         ich habe bisher noch keines gekauft

 

3       Für die Zukunft wünsche ich mir

         (   )    nach dem "best-practise"-Prinzip
                  auch Beispiele gut gelungener Texte

         (   )    wieder eine "cleartext-Wunschbox". Das bedeutet:
                  Ich kann bei Bedarf kürzere Sachtexte oder Briefe
                  einreichen und bekomme dazu Lösungsvorschläge

         (   )    eine "Bestenliste" mit Buchtipps zu den Hauptbereichen
                  des klaren und verständlichen Schreibens: Grundregeln,
                  Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Geschäftsbriefe

         (   )         auch Buchtipps zu Nachbarthemen wie Akquise

         (   )         Beispieltexte und Tipps zu diesen Themen:
                  ...

         (   )         und außerdem:
                  ...

4       Vom Umfang her wünsche ich mir

         (   )         wie bisher Newsletter mit mehreren Themen

        

         (   )         kürzere Newsletter mit nur einem oder zwei Themen

        

 

Guten Tag! [Mai 2009]

Alles neu macht der Mai - mit frischen Ideen und einer leichten Diät startet der cleartext-Newsletter in seinen vierten Frühling. Neu im Angebot ist das Vorbild des Monats: ein guter Geschäfts-, Medien- oder Alltagstext.

Alte Bekannte wie den Gruseltext des Monats oder den Buchtipp finden Sie künftig in lockerer Folge. Und die Wunschbox ist ab sofort wieder geöffnet. Ihre Antworten im Fragebogen standen hier Pate. Danke fürs Mitmachen.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Vorbild des Monats

Ein Beispiel für gelungene Krisenkommunikation sah ich bei H&M. Diese
Anzeige schaltete der Textilkonzern in deutschen Zeitungen:

"Produktsicherheit: RÜCKRUF Kinderstrickjacke aus Acryl und Alpaka-
Wolle, Ordernummer 837260-6555 und 437261-6555 (auf Pflegeetikett), Preis 14,90 €, Farbe und Größe: grau, 62-86, 2-18 Monate.

Wir haben festgestellt, dass die graue Kinderjacke unsere Sicherheits-
anforderungen nicht erfüllt. Die Jacke neigt dazu, Fasern zu verlieren
und birgt die Gefahr des Erstickens, wenn ein Kind die Fasern schluckt.

Kunden, die diese Kinderjacke geschenkt bekommen oder gekauft haben, werden gebeten, diese in einer beliebigen H&M-Filiale zurückzugeben. Der Kaufpreis wird ihnen in voller Höhe erstattet.

H&M-Produkte durchlaufen strenge Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen in unseren eigenen sowie in externen Laboren, ehe sie die Freigabe nach den Sicherheitsanforderungen von H&M erhalten. In diesem Fall blieb dieses Problem während des Prüfverfahrens unentdeckt. H&M bittet um Entschuldigung für alle dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten."

Klar und ehrlich formulieren - so funktioniert es:

Die Firma nennt klar und ohne Umschweife das Problem und das Risiko. Die Anzeige gibt Antwort auf die zentralen Fragen: Was mache ich mit der Jacke? Und: Wie konnte das passieren? Und sie entschuldigt sich.
Das ist nicht selbstverständlich. Manche Hersteller flüchten sich in Andeutungen oder verstecken das Wichtigste im letzten Absatz.

H&M beherzigt eine Grundregel der Krisenkommunikation: Ehrlichkeit. Die Firma redet nicht um den heißen Brei herum, sondern packt den Stier bei den Hörnern. Unterm Strich winkt sogar ein Image-Gewinn.

Also, wir können gratulieren: H&M hat fast alles richtig gemacht. Zwei Änderungen hätte ich nur. Den Satz mit den Fasern würde ich klarer formulieren: "Die Jacke verliert Fasern. Ein Kleinkind kann ersticken, wenn es diese Fasern schluckt." - Danach würde ich nicht "Kunden" sagen, sondern die Eltern direkt ansprechen: "Falls Sie diese Jacke geschenkt bekommen oder gekauft haben: Wir nehmen sie in jeder H&M-Filiale zurück und erstatten Ihnen den kompletten Kaufpreis."

 


Tipp des Monats

Rückrufaktionen, Unfälle, brisante Personalveränderungen: Krisen lassen sich nicht verhindern. Aber Sie können eine Krise steuern - wenn Sie darauf vorbereitet sind. Eine gute Krisenkommunikation ist das A und O. Schon in guten Zeiten bereiten Sie sich auf das vor, was hoffentlich nie kommt. Aber Sie wissen, was dann zu tun ist. Und wo Fettnäpfe lauern.

"Manchmal geht etwas schief - PR in Störungen und Krisen" heißt denn
auch ein Kapitel im Beck-Wirtschaftsberater Öffentlichkeitsarbeit. Ein
nützliches Buch. Im April 2006 hatte ich es Ihnen vorgestellt. >> mehr


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

Sie bekommen von mir einen Lösungsvorschlag. Und wenn Sie einverstanden sind, stelle ich Ihren Text hier vor - anonymisiert und ohne Namensnennung. Als Beispiel dafür, was cleartext leistet. Dieser Service kostet Sie nichts.

 

 

"Sehr geehrte Damen und Herren" [Juni 2009]

- so fing der cleartext-Newsletter noch nie an. Und das ist auch gut so. Schon die Anrede in einem Brief gibt den Ton vor. Wirkt behäbig oder frisch, mausgrau oder grell.

In diesem Newsletter erfahren Sie, was Ihre Brief-Anrede auslösen kann - im Guten wie im Schlechten. Im Juli geht es dann um den Briefschluss. Warum dieser Newsletter etwa nie mit "Hochachtungsvoll" enden würde, sondern

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Vorbild des Monats

"Guten Tag, Herr Ruoff" - so fühle ich mich gut angesprochen, wenn ich einen Brief öffne. Warum? Es entspricht dem, wie wir uns im direkten Umgang begrüßen. Schließlich sagen wir ja auch nicht mehr "Meine Verehrung", wenn wir einen Bekannten auf der Straße treffen.

Das "Sehr geehrte Frau Maier" mag uns zwar wie von selbst in die Tastatur fließen, aber es ist weit weg von der heutigen Sprache. Oder wann haben Sie zum letzten Mal im Gespräch "geehrt" gesagt? Ehre hin oder her, diese Anredeform ist ein Stück weit erstarrt. Und Sie kann Ihrem Anliegen ungewollt etwas Verstaubtes verleihen.

Den Empfänger ungekünstelt ansprechen - so kann es gehen:

Experimentieren Sie. Spielen Sie mit dieser neuen Form der Anrede: Guten Tag, Frau Maier. Guten Tag von der Leipziger Buchmesse. Guten Tag nach Köln. Oder "Grüß Gott aus München". Warum nicht?

Andererseits: Frisch meint nicht plump und vertraulich, kumpelhaft oder anbiedernd. Es wirkt befremdlich, wenn mich jemand schon beim ersten geschäftlichen Kontakt mit "Hallo, Herr Ruoff" anschreibt.

 


Tipp des Monats

Geben Sie der "Guten Tag"-Anrede eine Chance. Achten Sie darauf, ob sie Ihnen nach zwei Monaten immer noch fremd ist. Es könnte sein, dass sie Ihnen schneller vertraut wird, als Sie im Moment denken.

Auch ein "Lieber Herr Müller" geht im Geschäftsleben als Anredeform - wenn der Kontakt ein Stück menschlich und herzlich geworden ist.   Aber lassen Sie sich Zeit damit und achten Sie auf Ihr Gefühl. Ein vorschnelles "Lieber" könnte Herr Müller als distanzlos empfinden.

Nehmen wir also an, Sie haben Ihren Brief mit einer frischen und persönlichen Anrede eingeleitet. Machen Sie jetzt nicht wieder alles zunichte. Schreiben Sie nicht "wir beziehen uns auf Ihre Anfrage vom 25. Juni" oder "hiermit übersenden wir Ihnen wunschgemäß ...".

Gehen Sie zunächst in Kontakt zu Ihrem Gegenüber: Vielen Dank für Ihr Interesse. Danke, dass Sie an uns gedacht haben. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Urlaub. Nachträglich noch alles Gute zum neuen Jahr.

Dieses in-Kontakt-gehen auf der Beziehungsebene schafft eine positive Grundstimmung. Jetzt gehen Sie auf die Sachebene und zu Ihrem Thema.


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

Sie bekommen von mir einen Lösungsvorschlag. Und wenn Sie einverstanden sind, stelle ich Ihren Text hier vor - anonymisiert und ohne Namensnennung. Als Beispiel dafür, was cleartext leistet. Dieser Service kostet Sie nichts.

 

 

Guten Tag! [Juli 2009]

In diesem cleartext-Newsletter erfahren Sie etwas über den Briefschluss. Auch hier können Sie persönlicher und aktueller formulieren als "Mit freundlichen Grüßen" oder gar "Hochachtungsvoll". Jetzt im Juli zum Beispiel 

mit besten "Sommer"-Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.



Vorbild des Monats

"Ich freue mich auf das Seminar und auf unser Kennenlernen - und natürlich auf die Geheimnisse der klaren Sprache.
Ein schönes Pfingstwochenende! Mit freundlichen Grüßen, Max Maron."
Das schrieb mir ein Seminarteilnehmer neulich vor unserem Kurs.

Er lässt mich seine Vorfreude spüren. Und er schickt einen Gruß zur Jahreszeit. Als Botschaft lese ich: Dies hat der Verfasser speziell für mich geschrieben. Er hat sich Gedanken gemacht. Ich bin ihm wichtig.

Einen persönlichen Briefschluss finden - so kann es gehen:

Gehen Sie nochmals in Kontakt zu Ihrem Gegenüber: Danke nochmals für ihr Verständnis. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre unseres Jahresberichts. Ich freue mich auf unsere geplante Zusammenarbeit.

Vermeiden Sie Floskeln wie "Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung". Stattdessen: Haben Sie noch Fragen? Bitte lassen Sie es uns wissen. Brauchen Sie mehr Informationen? Sie erreichen mich ...

Jetzt der Gruß: "Hochachtungsvoll" gilt selbst dem Duden inzwischen als veraltet. "Mit freundlichem Gruß" oder "Mit freundlichen Grüßen" klingt verbindlicher, ist aber letztlich auch ein Gruß von der Stange.


Persönlicher sind Grüße mit einem Ort-/Zeit-Bezug: Freundliche Grüße aus Berlin. Freundliche Grüße nach Essen. Grüße aus dem verschneiten Bonn. Frohe Ostern nach Mainz. Freundliche Grüße von Ihrem Grafiker.

 


Tipp des Monats

Der persönliche Briefschluss ist das Pendant zum persönlichen Einstieg. Im Juni nannte ich dort: Vielen Dank für Ihr Interesse. Danke, dass Sie an uns gedacht haben. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Urlaub.

Ihre Geschäftsbriefe könnten Sie also aufbauen: 1. Anrede. 2. Einstieg auf der Beziehungsebene. 3. Sachinformation - der inhaltliche Kern des Briefs. 4. Ausblick in der Sache. 5. Ausblick in der Beziehung. 6. Gruß.

Sie beginnen auf der Beziehungsebene und enden auf dieser Ebene. Das macht Ihren Brief "rund". Dazu kommt: Sie können unangenehme Themen so verpacken, dass Ihr Gegenüber dennoch Ihre Wertschätzung spürt.


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

Sie bekommen von mir einen Lösungsvorschlag. Und wenn Sie einverstanden sind, stelle ich Ihren Text hier vor - anonymisiert und ohne Namensnennung. Als Beispiel dafür, was cleartext leistet. Dieser Service kostet Sie nichts.

 

 

Guten Tag! [August 2009]

Sommerzeit ist Lesezeit. Ein Liegestuhl im Schatten, ein Krimi oder ein Sachbuch zu einem Thema jenseits unseres Alltags. Gut, wenn der Autor uns das Lesen leicht macht. Sonst geraten wir leicht ins Schwitzen.

Mit hochsommerlichen Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.



Gruseltext des Monats

"Ich konnte es nicht immer vermeiden, Gedanken aus meinen früheren
Veröffentlichungen zu wiederholen. (...) Trotzdem ist das neue Buch
keine Wiederholung. Es enthält viele neue Gedanken, und natürlich
gewinnen Überlegungen, auch wenn sie bereits in anderen Zusammen-
hängen angestellt wurden, dadurch, dass sie sich alle auf ein einziges
Thema - die Kunst des Liebens - konzentrieren, neue Perspektiven." 

Schwer verdauliche Einleitungssätze zu einem lesenswerten
Buch: Erich Fromm - Die Kunst des Liebens. Es ginge einfacher:

"Manche Gedanken in diesem Buch kennen Sie vielleicht aus meinen
früheren Veröffentlichungen. Und doch sind sie keine Wiederholung.
Auch 'alte' Überlegungen zeigen neue Perspektiven auf, wenn sie sich
auf ein einziges Thema konzentrieren: die Kunst des Liebens."

Es dem Leser leicht machen - so kann es gehen:

Der erste Satz ist ein Negativsatz. Als Positivsatz klingt er leichter
und wird verständlicher. Der dritte Satz wiederholt Teile des ersten.
Er ist verschachtelt, und er springt vom Neuen zum Alten und zurück.
Eine gerade Gedankenführung vom Alten zum Neuen macht ihn klarer.

An diesen Verständlichkeitsregeln habe ich mich orientiert:

  • Wenn es sich anbietet: Sprechen Sie den Leser direkt an
  • Vermeiden Sie Verneinungen ("Negativstil"). Schreiben Sie, was ist oder was geht. Nicht, was nicht ist oder nicht geht

Behalten Sie im Satz  e i n e  gedankliche Richtung bei.

 


Tipp des Monats

"Leider", "keinesfalls", "nie", "wir können nicht", "wir bedauern" sind
klassische Bausteine des Negativstils. Untersuchungen haben gezeigt:
Diese Begriffe erzeugen beim Empfänger eine negative Stimmung.

Aber ich muss nicht zwangsläufig schreiben, was nicht geht. Ich kann
auch schreiben, was stattdessen geht. In einem Geschäftsbrief kann
ich dem Empfänger schreiben, was ich in trotz allem für ihn tun kann.

Statt "Leider ist unser Haus bis zum 16. geschlossen" kann ich ihm
schreiben: "Vom 17. September an sind wir am neuen Ort für Sie da.
Falls es vorher bei Ihnen 'brennt': Hier ist meine Handynummer ..."


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

Sie bekommen von mir einen Lösungsvorschlag. Und wenn Sie einverstanden sind, stelle ich Ihren Text hier vor - anonymisiert und ohne Namensnennung. Als Beispiel dafür, was cleartext leistet. Dieser Service kostet Sie nichts.

 

 

Guten Tag! [September 2009]

In diesem Newsletter geht es um Sie: die Leserinnen und Leser. Oder die Leser/-innen? Die LeserInnen? "Geschlechtergerecht" sollen moderne Texte sein. Wie sie dabei auch lesbar bleiben, erfahren Sie heute.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.



Fettnapf des Monats

Ein Gynäkologe steckt seinen Kopf ins Wartezimmer: "Der Nächste bitte." - Was in dieser Zuspitzung wie ein schlechter Witz klingt, ist in unserem Alltag allzu oft noch präsent: als "Leser", "Fachmann" oder "Wähler". - "Da sind die Frauen doch mitgemeint", heißt es dann. Doch das Argument zieht nicht. Studien haben gezeigt: Wenn man für ein Fachgremium "Experten" sucht, dann hat man am Ende mehr Männer als bei der Suche nach "Expertinnen und Experten".

Geschlechtergerecht formulieren - so geht es

Der Klassiker: Expertinnen und Experten, Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten - wer so schreibt, macht nichts falsch.
Der Nachteil: Doppelbegriffe blähen den Text auf. Und in der Politik wirken sie oft überkorrekt und bemüht, die "Bürgerinnen und Bürger".

Geschlechtsneutraler Plural: Angestellte, Steuerpflichtige, Kranke, Erwerbslose. Und statt "Wählerinnen und Wähler" "Wahlberechtigte". Möglich sind auch "Studierende" statt "Studentinnen und Studenten".

Gruppen- und Gattungsbegriffe: Beratungsteam, Fachpersonal, Delegation. Fachkraft, Führungskraft. Abteilungsleitung, Vertretung.

Personifizieren und direkte Anrede: "Wer einen Antrag stellt, muss ..."
statt "Der/die Antragsteller/in muss ...". Die Bibliothek bietet Ihnen"
statt "Die Bibliothek bietet ihren Benutzerinnen und Benutzern ..."


Tipp des Monats

Machen Sie zum Auftakt klar, dass Sie Frauen und Männer meinen: mit dem klassischen Doppelbegriff. Aber kleben Sie nicht daran fest, sondern bringen Sie Abwechslung in Ihren Text. Wählen Sie aus der Palette der Möglichkeiten, was zum Thema und zur Textart passt.

Abraten möchte ich Ihnen von Leser/-innen und LeserInnen. Kein Mensch spricht so, und deshalb würde ich so auch nicht schreiben. Und: Meiden Sie bemühte Überkorrektheit: Hinter den "verbeamteten Dienstkräften" erkennt niemand mehr die "Beamtinnen und Beamten".


Link des Monats

Einen kompakten Überblick zu unserem Thema bietet die Website des GenderKompetenzZentrums an der Berliner Humboldt Universität: www.genderkompetenz.info/genderkompetenz/
handlungsfelder/sprache/aspekte/
. Hier finden Sie auch Links zu Broschüren von Ministerien und Behörden - mit vielen Beispielen und Praxistipps.


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

Sie bekommen von mir einen Lösungsvorschlag. Und wenn Sie einverstanden sind, stelle ich Ihren Text hier vor - anonymisiert und ohne Namensnennung. Als Beispiel dafür, was cleartext leistet. Dieser Service kostet Sie nichts.

 

 

Guten Tag! [Oktober 2009]

In diesem Newsletter geht es um Missgeschicke. Wie reagieren wir nach außen? Was schreiben oder sagen wir? Wie schaffen wir Vertrauen? - Hier erfahren Sie die wichtigsten Regeln für die Pannenkommunikation.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.



Gruseltext des Monats

"Sehr geehrte Fahrgäste, in unserem Bordrestaurant und Bordbistro müssen noch Vorbereitungs- und Reinigungsarbeiten durchgeführt werden. Diese sind unbedingt erforderlich, um Ihnen Speisen und Getränke in einem ordnungsgemäßen Zustand servieren zu können.
Dies wird noch etwa 30 Minuten in Anspruch nehmen."

Eine Durchsage neulich im ICE. Die Reaktion von Fahrgästen: Ich will mir lieber nicht vorstellen, was da los ist. - Haben die etwa Ratten in der Küche? - Da will ich nicht mehr hingehen.

In Wirklichkeit war alles ganz harmlos: Am Vorabend hatte es nicht mehr zum Spülen gereicht. Doch die Service-Durchsage ließ es viel schlimmer erscheinen. - Also vielleicht besser so:

"Sehr geehrte Fahrgäste, unser Bordrestaurant und das Bordbistro öffnen heute erst gegen zehn Uhr. Gestern Abend ist ein Mitarbeiter ausgefallen, wir müssen deshalb jetzt noch das restliche Geschirr spülen. Bitte entschuldigen Sie dies. Spätestens einer halben Stunde öffnen wir Restaurant und Bistro, ich gebe Ihnen dann Bescheid."

Pannen gekonnt kommunizieren - so funktioniert es

"Gestern Abend ist ein Mitarbeiter ausgefallen, wir müssen deshalb jetzt noch das restliche Geschirr spülen" klingt menschlich. Es bringt
die Panne auf den Punkt. Und lässt keinen Platz für Spekulationen.

Das Original alarmiert: "Diese (Vorbereitungs- und Reinigungsarbeiten) sind unbedingt erforderlich, um Ihnen Speisen und Getränke in einem ordnungsgemäßen Zustand servieren zu können" - diese Formulierung lässt die Fahrgäste vermuten: Da stimmt etwas mit dem Essen nicht.


Tipp des Monats

Wir alle kennen Pannen und Missgeschicke. Und wir empfinden vielleicht sogar Sympathie mit dem, der eine Panne offen einräumt. Sauer werden wir eher dann, wenn sich der Verursacher hinter einem geschraubten Wortschwall verbirgt. Oder wenn er versucht, die Panne zu vertuschen.

Nennen Sie also bei Pannen Ross und Reiter. Sagen Sie, was Sache ist. Konkret und anschaulich. Begründen Sie. Bringen Sie Menschen ins Spiel.

Stehen Sie zu Ihrer Verantwortung. Das macht Sie glaubwürdig. Setzen Sie auf das Verständnis Ihres Gegenübers. Die meisten Menschen haben Verständnis. Und seien Sie klar und ehrlich. Ehrlichkeit entwaffnet.

Denken Sie an das ICE-Beispiel. Dem Zugchef fällt kein Stein aus der Krone, wenn er sagt: Wir müssen schnell noch abspülen. Und mancher schmunzelt vielleicht insgeheim und denkt: Denen geht es wie mir.


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

Schicken Sie mir den Text. Schreiben Sie dazu: In welchem Zusammenhang steht er, an wen richtet er sich, was würden Sie gerne anders ausdrücken?

Schreiben Sie an newsletter@cleartext.de, Stichwort "Wunschbox" oder an cleartext, Oranienburger Straße 33, 10117 Berlin. Je kürzer, desto besser.

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Guten Tag! [November 2009]

Die Gans liebt es nicht, und wir Leserinnen und Leser lieben es auch nicht: das Stopfen. Die Gans bekommt eine Fettleber, und auch wir fühlen uns überfüttert. Dieser Newsletter bringt Rezepte gegen den Stopfstil.

Mit besten Herbstgrüßen aus Berlin, Hans Ruoff.



Gruseltext des Monats

"Für Nofretete ist ein eigener Saal reserviert. Nur James Simon, der die Grabungen in Amarna finanzierte, durch die Fundteilung in den Besitz der Porträtstatue gelangte und sie den staatlichen Museen als Schenkung überließ, leistet ihr Gesellschaft."

Eine Inschrift im wieder erstandenen Neuen Museum in Berlin. Das Haus atmet Luft und Licht, die Inschrift dagegen: Stopfstil. Das hat der Mäzen nicht verdient. - Also vielleicht lieber so:

"Für Nofretete ist ein eigener Saal reserviert. Nur James Simon leistet ihr Gesellschaft. Er hatte die Grabungen in Amarna finanziert. Beim Aufteilen der Funde gelangte er in den Besitz der Porträtstatue. Später überließ er sie den staatlichen Museen als Schenkung."

Einen Satz nicht zu voll stopfen - so funktioniert es

Der Originalsatz über James Simon transportiert vier Informationen, die zudem auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen liegen. Ebene eins: das Museum. Simon ist hier Nofretetes Gesellschafter im Kuppelsaal. Darunter liegt als zweite Ebene die Vergangenheit: Simon finanzierte die Grabungen, er bekam die Statue - und schenkte sie den Museen.

Sie helfen dem Leser, wenn Sie die Ebenen trennen. Die Heute- Geschichte setzen Sie ins Präsens. Dann springen Sie zurück in die Vergangenheit: Der zweite Satz steht im Plusquamperfekt. Auf der gleichen Ebene machen Sie weiter - mit zwei Sätzen im Imperfekt.

Aus einem Schachtelsatz mit vier Informationen auf zwei Ebenen werden vier klar getrennte Einzelsätze mit je  e i n e r  Information.


Tipp des Monats

Vermischen Sie die Zeitebenen nicht, sondern geben Sie jeder Ebene einen eigenen Satz. Innerhalb einer Zeitebene können Sie dann überlegen, ob Sie mehrere Informationen in einen Satz packen.

Bei Simon hieße dies: "Er hatte die Grabungen in Amarna finanziert, war bei der Aufteilung der Funde in den Besitz der Porträtstatue gelangt und hatte diese später den staatlichen Museen als Schenkung überlassen."

Mir wäre dieser Satz immer noch zu voll gestopft. Der Leser hat es am leichtesten, wenn Sie die Informationen weiter aufteilen - nach der Regel"Jeder Gedanke bekommt einen eigenen Satz." Aus einem Stopfsatz mit 29 Wörtern werden vier Sätze mit sechs, sieben, elf und neun Wörtern.


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Guten Tag! [Dezember 2009]

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Und wer seine Weihnachtspost bis jetzt nicht erledigt hat, muss sich sputen. Aber Vorsicht: Hüten Sie sich vor copy and paste. Sonst kann der Gruß ins Auge gehen.

Vorweihnachtliche Grüße aus Berlin, Hans Ruoff.



Fettnapf des Jahres

Ausnahmsweise soll an dieser Stelle kein Zitat stehen. Nur so viel: Pünktlich zur Adventszeit erhält Herr M. dieser Tage Post von einem Geschäftspartner. Dank, Anerkennung und Hoffnung auf fürderhin gedeihliche Zusammenarbeit. Ein sehr persönlicher Brief.

Herr M. ist gerührt. Das es so etwas noch gibt. Mitten in der vorweihnachtlichen Hektik nimmt sich der Partner Zeit, ihm zu schreiben. Doch was ist das? Dieser überaus lobende Satz kommt Herr M. seltsam bekannt vor. Wo hat er ihn nur schon gelesen?

Des Rätsels Lösung findet sich in der Ablage: Herr M. hat diesen Brief schon einmal bekommen. Im vergangenen Jahr. Vom selben Absender. Der Brief hatte sich abgehoben vom Einheitsstil der geschäftlichen Weihnachtspost. Deshalb hatte er ihn aufbewahrt. Herr M. schluckt. Jetzt wirkt der schöne Brief plötzlich schal.

Ihre Firmen-Weihnachtspost - Sie haben die Wahl

Am schnellsten geht es mit Weihnachtskarten von der Stange.
Unterschreiben, Adresse aus dem Computer, fertig. Das schaffen Sie notfalls auch jetzt noch. Aber überlegen Sie: Was machen Sie selbst mit dieser Art Post? Sie schauen sie an und werfen wie weg.

Die Alternative: Sie entwerfen einen Brief. Mit einem allgemeinen Teil für alle Geschäftspartner. Dieses Jahr war für unsere Branche nicht einfach. Im Sommer machten wir uns alle große Sorgen, aber jetzt haben wir die schwierigste Zeit hoffentlich hinter uns. 

Um diesen Kern bauen Sie einen persönlichen Einstieg und Schluss.
Danke, dass Sie auch in diesem Jahr unser Partner waren. Danke für Ihr Engagement bei der gemeinsamen Lösung von X und Y.

Schon in der Form eines Computerbriefs schlägt diese Version die Karte aus dem Schreibwarenladen um Längen. Sie können aber noch einen Schritt weiter gehen und Ihre Weihnachtspost drucken lassen. Oder Sie schreiben die persönlichen Passagen von Hand.


Tipp des Monats

Mehrarbeit kurz vor Weihnachten - das hat Ihnen noch gefehlt. Wo
Sie ohnehin schon nicht wissen, wie Sie alles bewältigen sollen. In
diesem Fall hilft nur die Lösung von der Stange. Augen zu und durch.

Widerstehen Sie der Versuchung, den Brief vom Vorjahr zu recyclen.
Sagen Sie nicht: Das merkt doch keiner. Die Geschichte von Herr M.
ist nicht erfunden. Und wie würden Sie sich an seiner Stelle fühlen?   

Im nächsten Jahr können Sie es besser machen. Schreiben Sie sich
das Thema Weihnachtspost für Oktober in den Kalender. Dann können
Sie in Ruhe planen. Im November texten Sie und geben das Ganze in
Druck. Anfang Dezember sind Briefe oder Karten fertig. Jetzt haben Sie
Zeit, jeden Tag ein paar davon persönlich zu ergänzen und zu
unterschrieben. Mitte Dezember geben Sie alles zur Post. Voila.

Das klingt wie ein Weihnachtsmärchen, aber es ist wahr. Ich habe
es ausprobiert, das Ergebnis sehen Sie hier. Frohe Weihnachten!   


Die Wunschbox

Sitzen Sie am einem Text oder Brief? Und sagen: Er ist noch nicht so, wie ich will. Wie formuliere ich es anders? Wie erkläre ich diesen Sachverhalt?

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