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Newsletterarchiv

Hier können Sie ältere Ausgaben des Newsletters einsehen.
Copyright aller Texte: cleartext, Hans Ruoff.

>> cleartext Newsletter · April 2012

>> cleartext Newsletter · März 2012

>> cleartext Newsletter · Februar 2012

>> cleartext Newsletter · Januar 2012

 

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Guten Tag! [Januar 2012]

In der Bergpredigt heißt es: „An Ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen.“ Heute sind wir dem Obstbau entfremdet, und zum Erkennen einer Person wägen wir die Früchte ihrer Rede. Dieser Newsletter hat für Sie einmal abgebissen.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Geschmackstest des Monats

Man wird auch ein bisschen demütiger. Man wird lebensklüger. Und man muss aus eigenen Fehlern lernen. Und gerade die Glaubwürdigkeit, die man als XX braucht, die wird man nur zurückerlangen, wenn man auch im Umgang mit seinen eigenen Fehlern Lernfortschritte unter Beweis stellt.


Ein Mensch in Bedrängnis. Ringsum Probleme. Und jetzt? Bekennen und zugleich nach vorne blicken. Demut - und das Kreuz durchdrücken.

Aber wer ist „man“? Für wen spricht dieser Mensch außer für sich selbst? Für niemand. Dieses „man“ ist ein Schutzschild, es schafft Distanz, lässt die Einzelperson aufgehen im Allgemeinen. Sonst klänge das Ganze so:


Ich merke: Ich werde auch ein bisschen demütiger. Ich werde lebensklüger. Und ich muss aus meinen Fehlern lernen. Und gerade die Glaubwürdigkeit, die ich als XX brauche, die werde ich nur zurückgewinnen, wenn ich offen mit meinen Fehlern umgehe und dabei beweise, dass ich aus diesen Fehlern gelernt habe.

In der „ich“-Perspektive ist der Schutzschild verschwunden. Jetzt ist eindeutig klar: Christian Wulff spricht über sich selbst. Das ist ehrlicher. Und es tut auch mehr weh. Deshalb wechseln viele von uns in die „man“-Perspektive, wenn es ans Eingemachte geht. Auch Frauen tun das. 

Auch aus dem Passiv lassen sich trefflich Schutzschilde bauen. Politiker lieben es: Die Sparanstrengungen müssen verstärkt werden. Den Bürgern müsse klar gemacht werden. - Wenn es heikel wird, regiert das Passiv. Es versteckt den Akteur und enthebt ihn hässlicher Formulierungen wie „Ich sage Ihnen heute: Wir alle müssen sparen. Wir als Regierung, und Sie als Bürgerinnen und Bürger. Das wird weh tun, aber es ist der einzige Weg.“


Der "man"-Falle entgehen– so kann es klappen:

Versuchen Sie, sich beim Sprechen zuzuhören. Korrigieren Sie jedes „man“, Wiederholen Sie den Satz in der „ich“-Perspektive. Oder bitten Sie jemanden, es Ihnen anschließend zu sagen, wenn Sie ins „man“ fielen oder ins Passiv. Sie können sich umstellen. Und Sie werden dadurch authentischer wirken.

 

Guten Tag! [Februar 2012]

die Berlinale hat es wieder bewiesen: Film ist nicht gleich Film. Einer bäckt Allgemeinplätzchen, der andere zaubert ein phantastisches Menü. Für Texte gilt das genauso. Dieser Newsletter lässt Sie aus zweierlei Töpfen kosten.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Allgemeinplätzchen des Monats

Die Backnanger Kreiszeitung verkörpert beispielhaft die speziellen Vorteile einer modernen und heimatbezogenen Tageszeitung. Sie überzeugt durch Vielfalt und Aktualität, durch Kompetenz und Seriosität. Kein Wunder, dass sie sich eine so hohen Akzeptanz erfreut.

Eine Lokalzeitung feiert Jubiläum, und der Ministerpräsident schickt ein Grußwort. Natürlich schreibt er es nicht selbst, dafür hat er seine Leute.

Beispielhaft. Modern. Heimatbezogen. Vielfalt. Aktualität. Kompetenz. Seriosität. Hohe Akzeptanz. - Normalerweise sieht der Bürger seinem Ministerpräsidenten so etwas nach. Der klingende Name des Absenders überdeckt den faden Geschmack des Allgemeinplätzchens.

Doch dieses Mal hat der Ministerpräsident Pech: Der Bundespräsident hat der Lokalzeitung ebenfalls ein Grußwort zukommen lassen.

Durch die Backnanger Kreiszeitung erfahren die Bürger, was in ihrer Stadt und in ihrer Region passiert. Was tut sich im Rathaus? Wann kommt die neue Straße? Was gibt es Neues von der SG, was von der TSG? Auf all diese Fragen finden Sie in Ihrer Regionalzeitung antworten.

Natürlich hat auch der Bundespräsident dieses Grußwort nicht persönlich geschrieben. Und auch dieser Text dürfte ein Produkt von der Stange sein. Aber die oder der Verfasser(in) hat zumindest vorher kurz nachgedacht.


Mehr als Allgemeinplätzchen backen: die Zutaten

Denken Sie ein Grußwort immer vom Ende her:  

  • Für wen schreiben Sie?
  • In welcher Situation sind Ihre Leser? Was interessiert sie?
  • Sprechen Sie Ihre Leser direkt an. In der Sie-Perspektive.
  • Machen Sie es konkret. Mit passenden Beispielen.
  • Formulieren Sie nahe am gesprochenen Wort.

So hat es die- oder derjenige gemacht, der dem Bundespräsidenten
zugearbeitet hat. Das ist nur beim ersten Mal mehr Arbeit, später können Sie Ihren Text immer wieder anpassen. Und er wirkt dennoch persönlich.

 

Guten Tag! [März 2012]

Briefe unserer Bank oder Versicherung öffnen wir meist mit Unbehagen. Zu Recht, denn oft droht Ungemach. Doch es geht auch anders, dies beweist die örtliche Bank einer norddeutschen Kleinstadt. Sehen Sie selbst.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Wohltäterin des Monats

Wie Ihnen aus aktuellen Medienberichten wahrscheinlich bekannt ist, haben einige Kreditinstitute in den letzten Jahren ihre notleidenden Kredite verkauft. In Einzelfällen sollen auch vertragsgemäß bediente Kredite darunter gewesen sein.

Als regionale Bank distanzieren wir uns von diesem Vorgehen. Wir garantieren allen unseren Kunden, dass wir sie auch in Krisenzeiten begleiten und Ihr Ansprechpartner vor Ort bleiben. Unser Prinzip ist, in schwierigen Fällen gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

Wir verkaufen unsere Kredite nicht – und bei uns zahlen Sie dafür auch keinen Zinszuschlag. Auf eine weitere angenehme Geschäftsverbindung freuen wir uns. Ihre X-Bank in Y.

Dieser Brief ist Balsam auf die Seele derer, die ihre Wohnung oder ihr Eigenheim auf Kredit gekauft haben und jetzt bangen, ob ihre Bank den Vertrag vielleicht an irgendwelche Finanzhaie weitergibt.
Diese Bank hat diese Frage von sich aus beantwortet. Einfach so.


Mit Geschäftsbriefen Freude und Zufriedenheit auslösen:
So kann es gehen

Gute Briefe entstehen vom Ende her: Ich versetze mich in die Rolle des Empfängers. Auf der Sachebene („Verstehe ich das?“), auf der Zukunftsebene („Muss ich etwas tun?“) und auf der Gefühlsebene („Muss ich mir möglicherweise Sorgen machen?“).

Fragen Sie sich einfach: Was treibt meine Kunden um? Welche Sorgen machen sie sich? Gibt es beunruhigende Medienberichte? Und dann schreiben Sie. Ihre Kunden werden es Ihnen danken.

Ein Beispiel: Schreiben Sie nicht nur, wenn Sie die Preise erhöhen.
Schreiben Sie auch, wenn Sie dies nicht tun. Vielleicht sogar so:

„Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein!
Ein Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten“ -
der legendäre erste Satz aller Asterix-Hefte kam mir in den Sinn,
als ich jetzt an meiner Kalkulation für das kommende Jahr saß.

Zum 1. Januar steigen die Preise für Strom und Versicherungen.
Auch für mich. Aber ich habe mich entschieden, meine Preise
für Sie stabil zu halten – zum vierten Mal in Folge. In einem Jahr
kalkuliere ich dann neu, aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit.

 

Guten Tag, [April 2012]

Und sie bewegt sich doch. „Viele von uns wechseln in die ‚man‘-Perspektive, wenn es ans Eingemachte geht“ hatte ich jüngst hier geschrieben. Und speziell Politiker ins Visier genommen. Heute leiste ich ein wenig Abbitte.

Mit besten Grüßen aus Berlin, Hans Ruoff.


Ehrenretter des Monats

Interviewerin: Was ist besonders ungesund im Leben eines
Ministers? – Herr T.: Man schläft sehr wenig und isst unregelmäßig.
Die Gefahr ist groß, dass man zu viel Alkohol trinkt. Deswegen
verbringe ich seit Jahren die Fastenzeit ohne Alkohol. Am Anfang
mag das unter religiösen Gesichtspunkten gestanden haben,
zunehmend geht es auch um die Frage: Kannst Du es noch? Oder
zittert die Hand morgens? Man geht mit sich schon ziemlich
rücksichtslos um. ‚Man‘ sage ich. Dabei meine ich doch ‚Ich‘.

                                          (Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 14. April 2012)

Hut ab. Herr T. redet nicht nur, er hört sich auch zu bei dem, was
er sagt. Und er korrigiert sich, als er bemerkt: Ich drifte ab ins
Unbestimmte, in den distanzierten Sprechstil von uns Politikern.
 
Für mich heißt das: Es geht. Wir können unseren Sprechstil ändern.
Auch noch als Erwachsene. Das gilt auch für unseren Schreibstil.
Wir können unseren Blick und unser Ohr dafür schärfen. - Diesen
Tipp hatte ich jüngst ans Ende meiner Politiker-Schelte gestellt


Der ‚man‘-Falle entgehen– so kann es klappen:

Versuchen Sie, sich beim Sprechen zuzuhören. Korrigieren Sie jedes
‚man‘. Wiederholen Sie den Satz in der ‚Ich‘-Perspektive. Oder bitten
Sie jemanden, es Ihnen anschließend zu sagen, wenn Sie ins ‚man‘
fielen oder ins Passiv. (…) Sie werden dadurch authentischer wirken.

PS: Herr T. ist er frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer. Die
Passage aus einem großen Interview in der SZ mag zeigen, warum
er im Gespräch war als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.

 

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